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Monopole

Yahoo-Suchmaschine "SearchMonkey" zum Zusammenklicken, aber nicht offen

Yahoo hat eine Suchmaschine namens SearchMonkey ins Netz gestellt. Damit können Websitebesitzer z.B. ihre eigens angepasste Suchoberfläche auf der eigenen Seite anbieten oder auch die Suchweite eingrenzen. 

So lässt sich zum Beispiel eine Site-übergreifende Suche aufbauen, die die zum Suchtreffer passende Adresse, Bewertungen oder den Börsenkurs anzeigt. Bei der Einrichtung hilft ein Assistent, der den Anwender in fünf Schritten Design und Datenfelder auswählen lässt. Der resultierende PHP-Code kann zwecks Feinabstimmung direkt bearbeitet werden. Auch für den Aufbau der passenden Webdienste bietet SearchMonkey Assistenten. (heb/c't)  (15.05.2008 18:02, http://www.heise.de/newsticker/Yahoo-veroeffentlicht-Suchmaschine-zum-Se...)

Das Konzept an sich gibt es schon länger bei Google. So kann man seine benutzerdefinierte Suchmaschine auch hier selber designen. Die Möglichkeit das Design einer Suchmaske zu ändern und die Suche einzuschränken, ändert nichts daran, dass die Suchmaschinentechnologie von Yahoo unfrei ist und Unabhängigen keinen Einblick in den Code gewährt wird. Zudem wissen Nutzer bei Yahoo, genauso wie bei Google oder Microsoft nicht, welche Daten, wie lange und wo gespeichert werden und inwieweit dies die Privatsphäre der Nutzer möglicherweise beeinträchtigt oder beeinträchtigen kann.

Auf der Website von SearchMonkey behauptet Yahoo zudem: "SearchMonkey is Yahoo! Search's new open platform." Nur weil Yahoo hier eine Api (Schnittstelle) bereitstellt und Entwickler Anwendungen bauen dürfen, handelt es sich bei SearchMonkey jedoch noch lange nicht um eine offene Suchmaschine, im Sinne von "Open Source" und noch weniger um eine freie und offene Suchmaschine, im Sinne von "free as in freedom". Nichts ändert sich an der genutzten Technologie hinter Suche. Sie basiert weiterhin auf die proprietären und geschlossenen Yahoosuch-Technologie

SearchMonkey is Yahoo! Search's new open platform.

Using SearchMonkey, developers and site owners can use structured data to make Yahoo! Search results more useful and visually appealing, and drive more relevant traffic to their sites. How does it work? The SearchMonkey developer tool helps you find and construct data services that you can use to build apps. Once you've built your app, you can use it yourself and share it with others.

Getting Started

1. Visit the Developer overview or Site Owner overview to learn more about participating in SearchMonkey
2. Browse the SearchMonkey Guide to learn what it takes to build a SearchMonkey app
3. Start building your data service or app using the SearchMonkey developer tool

(16. Mai 2008, http://developer.yahoo.com/searchmonkey/)

180 Millionen Förderung für Theseus - technologieferne Konzerne erhalten Großteil

Die Suchmaschinenpolitk rückt immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit. In der aktuellen Ausgabe der Technology Review (03/08) beschäftigt Ralf Grötker sich in einem Special auf 16 Seiten mit Google, Microsoft, Yahoo und Co. Unter dem Titel "Politische Querelen behindern europäische Google-Alternative" berichtet er als vorab vom Special auf Heise.de über die gescheiterte deutsch-französisch Suchmaschineninitiative Quaero und das deutsche Folgeprojekt Theseus. Hierin wird auf die unterschiedlichen Anschauungen von Frankreich und Deutschland bei den Zielen der Förderung als Grund hingewiesen.

Laut Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte gehe der deutsche Rückzug aus dem Projekt (Quaero) zurück auf einen "Wunsch" des Thomson-Konzerns, der eine enge Verzahnung nicht mehr für erreichbar gehalten habe. In Frankreich dagegen heißt es, eine Gruppe deutscher Forscher habe zu sehr darauf gedrängt, den Fokus auf semantische Technologien zu lenken. Das Projekt war am 26. April 2005 anlässlich eines deutschen Staatsbesuchs in Paris ursprünglich als "elektronische europäische Bibliothek" angekündigt worden. ... In der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Grietje Bettin ließ Wirtschaftsstaatssekretär Schauerte seinerzeit wissen, dass Deutschland 90 bis 100 Millionen Euro Fördermittel bereitstellen werde, aus Frankreich komme ein vergleichbarer Betrag. Zusammen mit den Eigenmitteln der beteiligten Unternehmen sollte sich dadurch ein Gesamtbudget für Quaero von "deutlich über 400 Millionen Euro" über die Laufzeit von fünf Jahren ergeben. Doch daraus sollte nichts werden: "Erste Hinweise zeichneten sich - rückblickend - im September/Oktober 2006 ab ...

... Das BMWi darf Theseus nun tatsächlich mit 90 Millionen Euro über fünf Jahre fördern. Die Partner aus Industrie und Forschung bringen ebenfalls 90 Millionen Euro auf, sodass das Programm ein Gesamtvolumen von 180 Millionen hat. Mancher Unternehmer stört sich allerdings daran, dass bislang nur relativ Internet-ferne Großkonzerne und keines der deutschen Vorzeige-Internet-Unternehmen wie United Internet oder Web.de beteiligt sind. (22.02.2008 12:34, http://www.heise.de/newsticker/meldung/103921)

Viel Geld fliesst dort. Mehr als die Trennung von Frankreich und Deutschland im Förderprogramm verwundert mich jedoch, dass fast ausschliesslich technologieferne Firmen an dem darauf folgenden deutschen Forschungsprogramm "Theseus" teilnehmen. Auch freie Software-Projekte wie Yacy oder deutsche Entwickler von Nutch/Lucene erhalten meines Wissens bisher keine Förderung aus Bundesmitteln. Kleine Summen könnten dabei gerade hier potentiell enorme Fortschritte erzielen.

Der Teaserbeitrag auf der Onlineseite von TR handelt von der Übermacht Googles und den Ansätzen kleiner Suchmaschinen und ehemaliger Suchmaschinengrößen wie Lycos durch Spezialangebote ihre Reichweite zu erhöhen.

Wie sehr Google das erfolgsverwöhnte Alphatier Microsoft über die Jahre hinweg zermürbt hat, lässt sich seit diesem Februar an einer Zahl ablesen: 45 Milliarden Dollar. So viel möchte Microsoft für den wichtigsten verbliebenen Google-Rivalen Yahoo! ausgeben - annähernd das Doppelte seines Börsenwertes vor dem Übernahme-Angebot. Dieser Frontalangriff zeigt, dass Microsoft sich offenbar nicht mehr dazu in der Lage sieht, durch eigene Kraft und eigene Produkte im Suchmaschinengeschäft zu Google aufschließen zu können. Wenn sogar Microsoft sein Heil nur noch in milliardenschweren Zukäufen sucht - wer sonst soll in der Lage sein, neben Google zu gedeihen? Tatsächlich hat sich in der Nische, die Google übrig gelassen hat, ein lebhaftes Biotop aus kleinen Suchmaschinen mit völlig unterschiedlichen Ansätzen entwickelt. Ist unter ihnen schon die Suchmaschine zu finden, der es einmal gelingen wird, Google zu schlagen - so wie Google einst selbst den lange als unangreifbar geltenden Konkurrenten Altavista aus dem Feld geräumt hat? ... Unter den neuen Suchmaschinenanbietern, die hier ihre Chance sehen, gibt es zum Beispiel solche, die auf Menschen setzen statt auf Algorithmen. Beim neuen Dienst ChaCha etwa stehen menschliche Internet-Führer Suchenden beim Finden der richtigen Ergebnisse zur Seite. Und Wikia Search, die neue Suchmaschine des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales, setzt darauf, dass die Kommentare und Wertungen der Nutzer langfristig zu einer neuen Qualität von Suchergebnissen führen werden. ... "Ganz ehrlich: Google wird im Bereich der algorithmischen Suche kaum noch jemand schlagen. Auch wir nicht", sagt Thomas Servatius. Er ist leitender Produktmanager bei Lycos Europe in Gütersloh und hat den Dienst "Lycos IQ" mit aufgebaut... .(03/08, http://www.heise.de/tr/Suchmaschinen--/artikel/10364).

Untergräbt Google den Zugang zu Wissen durch Bibliotheken?

Freie Suchmaschinen sind kein schöner Traum, sondern eine Notwendigkeit für eine offene und freie Gesellschaft. Der Zugang zu Wissen und Informationen darf nicht ausschliesslich über Suchmaschinen verfolgen, die lediglich kommerziellen Privatinteressen verpflichtet sind und nicht dem Allgemeinwohl. Immer mehr scheint sich diese Ansicht auch in den Bibliotheken durchzusetzen. Auf einer Tagung des internationalen Dachverbands der Bibliotheksvereinigungen (IFLA) im Auswärtigen Amt zur Rolle der Bibliotheken in der Wissensgesellschaft äusserten sich auch Miriam Nisbet, Direktorin des Abteilung Informationsgesellschaft bei der UNESCO, und Johannes Fournier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in diese Richtung.

Miriam Nisbet: "Googeln scheint den Zugang zu Wissen durch Bibliotheken zu untergraben" führte die US-Amerikanerin aus. Was diese Zugriffsmöglichkeiten aber erst wertvoll mache, sei die Plattform, über die sie erfolgen würden. Die Büchereien stünden auf dem Fundament der Idee der Freiheit und der Menschenrechte und hätten eine soziale Verantwortung. Daher müsse man fragen, ob "wir den Zugang zum Wissen überhaupt den Regeln des Marktes überlassen können". In diesem Falle würde die kulturelle Vielfalt verloren gehen, während sich soziale Ungleichheiten ausweiten würden, fürchtete Nisbet.

Auch Johannes Fournier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sah die Gefahr einer digitalen Spaltung "auch in der Form, dass Bibliothekare verstärkt von Nutzern getrennt werden". Viele würden sich nur noch auf Suchmaschinen verlassen, während Professoren sich selbst im Netz zu Wissensanbietern entwickeln würden. Dem müssten die Bibliotheken das Katalogisieren und Verfügbarmachen von Informationen auf höchsten Niveau entgegenstellen. Dabei sollte die soziale Interaktion mit den Nutzern etwa über mit Web-2.0-Funktionen zur Bewertung von Informationsressourcen ausgebaut werden. (Stefan Krempl, 21.02.2008 17:02, http://www.heise.de/newsticker/meldung/103885)

Regulierungen und Kartellrecht bei Quasi-Monopolbildung im Internet

In einer Studie der TU Graz wird mit drastischen Worte vor der globalen Bedrohung durch Monopole a la Google in der Informationsgesellschaft gewarnt, und es werden konkrete Maßnahmen von der EU-Kommission und dem EU-Parlament gefordert, u.a. auch kartellrechtliche Eingriffe auf allen Ebenen und weitere Regulierungsmaßnahmen; mehr unter http://www.heise.de/newsticker/meldung/99953 ...

Themen: 

Wer informiert die Informationsgesellschaft?

Die Quellen, aus denen das Wissen der Informationsgesellschaft fließt, haben sich radikal verschoben. Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15-ten Jahrhundert floß der größte Teil der Wissensströme jahrhundertelang aus den Buchstaben des bedruckten Papiers in die Köpfe und auch in die Herzen. In nur einer einzigen Dekade - dem vergangenen Jahrzehnt - hat sich dies auf eine Art und Weise und mit einem Tempo radikal verändert, wie es die gesamte Geschichte der Menschheit noch nicht erlebt hat.

Vor einem Jahrzehnt war diese Entwicklung abzusehen, doch damals wollte sie kaum jemand sehen, denn diese Einsicht war störend. Solange der Umsatz von Print-Medien Selbstläufer war, entfiel die Motivation, neue Medien wahrzunehmen. Solange die Musikindustrie mit dem Verkauf von Tonträgern wie Schallplatten oder CDs gut verdiente, bestand keine Notwendigkeit einer Adaptierung neuer musikalischer Fließkanäle. Auch für wirtschaftliche Veränderungsprozesse gilt etwas, das in der Physik als „Massenträgheitsgesetz“ wohlbekannt ist: nur wenn äußere Ereignisse die Alternative stellen „untergehen oder verändern“, geschehen Veränderungen, und das auch nicht immer - manches wird untergehen. Die letzte Branche, die gerade vor einem Umbruch steht, ist die der bewegten Bilder; auch sie wird der Sturm dieser technischen Revolution zu neuen Ufern treiben oder manches wird untergehen.

Die Ursachen der Entwicklung sind technischer Art: die Digitalisierung und deren Vernetzung durch das Internet. Mittlerweile zwingt die Eigendynamik dieses digitalen Vernetzungsprozesse Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zum Umdenken, zum Mitwachsen, zur Adaptierung.

Die Hüter der Buchstaben des bedruckten Papiers und dessen Vorläufer waren für Jahrtausende die Bibliotheken. Sie waren damit auch die „Hüter des Wissens“. Mit dem Untergang der Bibliothek von Alexandria ging ein Teil des Wissens der antiken Welt verloren. In der heutigen Situation ist die Lage anders: die Buchstaben fliessen nicht mehr allein ins Papier, sondern in die vernetzte Digitalwelt, ebenso wie die Bits und Bytes aus anderen Medien. Das „Hüten und Verbreiten bedruckten Papiers“ verliert seine Bedeutung als Kernaufgabe von Bibliotheken. Nur diejenigen, welche es verstehen, die neue Digital- und die alte Papierwelt symbiotisch zusammenzuführen, überleben. Parallel entstehen in der vernetzten Digitalwelt auch völlig neue Formen des Wirtschaftens und Kommunizierens.

Bis hierher ist der Prozess der radikalen Umstrukturierung der Wissens- und Informationsquellen nur sehr grob beschrieben, aus weiter Ferne betrachtet. Eine genauere Beschreibung erfordert, genauer hinzusehen, an welchen Orten der vernetzten Digitalwelt die Quellen des Wissens liegen und wie die Informationsströme fliessen. Hierzu müssen wir das Bild von den Quellen und Strömen verfeinern und erweitern.

Der Medienkünstler Bernd Hopfengärtner hat das Bild der Informationsquellen und Ströme in ein dreidimensionales Landschaftsbild „Nirgendwo“ umgesetzt, welches Flüsse und Täler als Folge realer Informationsströme zeigt: „NOWHERE ist eine sich in der Entstehung befindende Landschaft. Die Nutzer der Suchmaschinen erodieren mit ihren Suchbewegungen Flüsse, Schluchten und Täler. Suchanfragen, die nur für den Bruchteil einer Sekunde duch das Internet schießen und eine Response auf den Bildschirmen der Suchenden generieren werden mit Hilfe einer dreidimensionalen Fräsapparatur in ein Material geschrieben.“ Medienkunst reflektiert den radikalen Umbruch in der Informationsgesellschaft. Und sie macht ihn greifbar, sichtbar, anfassbar. Gleichzeitig nutzt die Medienkunst das Medium zur Präsentation ihrer Werke: siehe: www.no-surprises.de

Im verfeinerten Bild sind Informations-Quellen die über das Internet verbundenen Computer, auf denen digitales Wissen in Form von Bits und Bytes abfließbar gespeichert ist. Informations-Ströme sind dann die Wege, auf denen diese Bits und Bytes zu anderen Computern des Netzes und den dahinter sitzenden Menschen fliessen. Zu den Quellen und Strömen kommt nun jedoch ein weiteres Element hinzu, welches von vorherein in der Entwicklung nicht absehbar war, und welches auch nicht zwangläufig notwendig wäre, welches sich aber als hochpragmatisch und damit unverzichtbar erwiesen hat. Denn die Anzahl der Informationsquellen der vernetzten Digitalwelt hat ein Ausmaß erreicht, dass zuvor unvorstellbar war: die Anzahl der Computer mit gespeichertem digitalen Wissen, der „Server“ („Dienstleister“), liegt im Bereich oberhalb hundert Millionen. Kein Mensch wäre auf seiner Informationssuche in der Lage, in seinem begrenzten Leben hiervon auch nur einen Bruchteil zu durchsuchen.

Darum benötigt die vernetzte Digitalwelt ein Steuerungselement für den Fluss der Wissensströme: den Informations-“Lenker“, den „großen Steuermann“, der dafür zuständig ist, dass das Wissen zu demjenigen fliesst, der es haben will, und der ohne den Lenker kaum eine Chance hat, die richtige Quelle zu finden.

Diese
Lenkungsfunktion haben Elemente übernommen, die in der
Konzeptionsphase des weltumspannenden Netztes noch gar nicht
vorgesehen waren - man nennt sie heutzutage „Suchmaschinen“. Ihre
Aufgabe ist es, Fragestellungen nach Information in die „richtigen“
Kanäle zu lenken. Ohne diese Lenkungsfunktion wäre der
Fragesteller hilflos. Sein Dilemma liegt nun jedoch darin, dass „der
Lenker“ entscheidet, was „richtig“ ist - und damit auch, was
„falsch“ ist, welche Information der Fragesteller NICHT
zu sehen bekommt.

 

Man
mag nun einwenden, dass dies nichts Neues sei, dass wir die
Auswahlfunktion dessen, was „richtig“ und „falsch“ ist, in
der Ära des bedruckten Papiers auch hatten: derjenige, der den
Druckauftrag erteilte - die Zeitung, der Verlag - entschied bisher
darüber. Auch hier haben wir einen Bewertungs- und
Selektionsprozeß. Er funktionierte deswegen, weil wir sehr
viele „Druckauftraggeber“ hatten: Meinungsvielfalt in einer
pluralistischen Gesellschaft. Und genau das ist in der
vernetzten Digitalwelt verloren gegangen, denn die Lenkungsfunktion
haben einige wenige globale Konzerne übernommen - eigentlich
gibt es de facto nur noch einen „großen Steuermann der
Informationsflüsse“, das ist die Aktiengesellschaft mit dem
Namen „Google“ mit einem Marktanteil von mehr als 90% in
Deutschland.

Damit
eine solche Meinungsmacht in Deutschland eigentlich(!) gar nicht erst
entstehen kann, haben wir gesetzliche Regelungen, und sogar eine
Einrichtung mit dem Namen "Kommission zur Ermittlung der
Konzentration im Medienbereich(kurz: KEK)“. Unser Regelwerk
bestimmt, dass bei einem Marktanteil zwischen 25% und 30% eine
markbeherrschende Stellung vorliegt, und dass dann für die
betreffende Firma besondere Regelungen gelten. Nun würde jeder
vernünftig denkende Mensch annehmen, dass bei einem Marktanteil
oberhalb 90% diese Regelungen auch für eine Meinungsmacht in der
vernetzen Digitalwelt gelten. Umso erstaunlicher ist es, dass dies
nicht der Fall ist, denn als die gesetzlichen Grundlagen gegen das
Entstehen von Meinungsmacht in Deutschland formuliert wurden, waren
Szenarien wie die heutige Digitalwelt unvorstellbar. Die damals
formulierten Gesetzestexte gelten nur für die konventionellen
Medien! Hier herrscht also immer noch „rechtsfreier Raum“.

Warum
erweitert nun der Gesetzgeber den genannten Ansatz zur Verhinderung
von Meinungsmacht nicht einfach in diesen digitalen Raum? Dies hat
zwei Ursachen. Erstens ist für die Politik, genauso wie für
die Wirtschaft, dieser Raum ein völlig neuer, der zunächst
einfach nur „störend“ in eingefahrenen Gleisen ist. Als die
vernetzte Digitalwelt unübersehbar wurde, als zwingender
Handlungsbedarf im zunächst nahezu völlig rechtfrei
erscheinenden Raum sichtbar wurde, kümmerte sich der Gesetzgeber
um allerhand andere Aspekte. Hier kamen Geburten - ich vermeide
gerade eben noch das naheliegende Wort „Missgeburten“ - wie das
Telemediengesetz, der Jugendschutz, oder die aktuelle Diskussion um
die heimlichen Online-Durchsuchungen privater Computer auf die
vorderen Plätze. Da die technische Materie auch für den
Gesetzgeber völlig neu war und ist, sind die politischen
Entscheidungsträger der Expertise (oder dem Un-Wissen) ihrer
Berater auf Gedeih und Verderb ausgeliefert - ganz anders, als wenn
es Gesetze zur Verkehrsregelung oder gegen das Rauchen in Gaststätten
zu machen gilt.

Der
zweite Grund, warum der Gesetzgeber den genannten Ansatz zur
Verhinderung von Meinungsmacht nicht einfach in den digital
vernetzten Raum erweitert, liegt darin, dass dieses Problem bisher
kaum als Problem wahrgenommen wird. „Informationssuche“ heisst
„googeln“, und warum darüber nachdenken? So sind wir in die
vernetzte Digitalwelt hineingewachsen und das ist einfach so. Die
Zeit, in der es auch im digitalen Raum noch Vielfalt unter den
„Informationsstrom-Lenkern“ gab, liegt für die meisten
Nutzer der Digitalwelt vor ihrer „digitalen Geburt“.

Die
Frage der Überschrift dieses Aufsatzes heisst „Wer informiert
die Informationsgesellschaft?“. Die Antwort ist einfach: eine
amerikanische Aktiengesellschaft hat diese Aufgabe übernommen.

Diese
Aktiengesellschaft hat die Aufgabe nicht „kraft souveräner
Willkür“ irgendeines Staates oder einer Institution
übernommen, es „hat sich so ergeben“, die Marktwirschaft
hat es geregelt. Da heutzutage fast alles, was die Marktwirschaft von
selber regelt, angeblich nur gut sein kann, kann auch diese
„Regelung“ (eine amerikanische Aktiengesellschaft informiert die
Informationsgesellschaft) offenbar in den meisten Köpfen nicht
als „schlecht“ angenommen werden.

Trotzdem
muss die Frage bleiben: wollen wir das wirklich? Stehen wir wiederum
an einer Stelle, wo Einsicht störend ist? Wollen wir diese
gebündelte globale Macht in die Hand einer einzigen Firma
übertragen? Diese Firma mag derzeit ihre Aufgabe so gut, so
verantwortungsvoll wie nur denkbar erfüllen. Aber stellen wir
uns doch nur mal vor, dass ihre Interessen anders gesteuert werden.
Wahrscheinlich stört diese Vorstellung und alles, was daraus
resultiert.

Wolfgang Sander-Beuermann

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