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Mit Qualitätsjournalismus gegen Fake-News

Fake-News sind eine Geißel der heutigen Zeit. Ihre Problematik ist komplex. Was ist die Wahrheit? Wer bestimmt das? Wer Fake-News identifiziert, muss mit dem Vorwurf rechnen, er setze selbst Fake-News in die Welt. US-Präsident Trump versteht diese Art der Wirklichkeitsverdrehung bekanntermaßen meisterlich zu praktizieren. Fake ist längst selber Fake.

Immer wichtiger werden in diesem Zusammenhang Organisationen, Vereine und Einzelpersonen, die sich der professionellen Recherche verschrieben haben und dem Gerücht recherchierte Fakten entgegenstellen. Einige verlorene Geister werden auch hier eine Verschwörung wittern („alles Fake“), aber vielen Menschen geben diese Richtigstellungen und Quellenanalysen Sicherheit. Auf der Schweizer Internetseite „Watson“ wurden jüngst Maßnahmen beschrieben, mit denen sich zudem verhindern lässt, einem Fake aufzusitzen: Kopf einschalten, die US-Firmen mit Informationsblase meiden, Alternativen wählen: zum Beispiel www.metager.de! 1)

Dies sind wichtige Maßnahmen. Wichtig ist aber auch etwas anderes: dass wir den traditionellen Journalismus unterstützen. Chance und Gefahr zugleich: jeder kann heutzutage Nachrichten veröffentlichen. Viele Social Media Nutzer erhalten ihre Informationen ausschließlich über Social Media Kontakte, indem sie ihren Leitfiguren folgen und deren Informationen ungeprüft übernehmen. Durch diese Informationspraxis gerät auch der traditionelle Journalismus unter Druck und produziert ans Publikum angepasst immer mehr flachen Häppchenjournalismus. Viele sehen das positiv, führt doch der auf den Leser passgenau geschnittene Beitrag zu einem Verlust der journalistischen Deutungshoheit von Relevanz und damit zu einer Form der Demokratisierung. In der Tat kann diese „Macht von unten“ demokratische Prozesse anregen. Oft genug verhindert eben jene Macht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Thema. Durch die Anpassung an den Massengeschmack und an deren Empörungsreflexe gerät leicht in Vergessenheit, was unabhängiger Journalismus überhaupt sein kann und welchen Wert er für die Gesellschaft hat. Was ist eine Zeitung? Wozu braucht man die überhaupt? Ich denke: Schülerinnen und Schüler sollten traditionellen Journalismus zumindest kennen (und schätzen lernen), bevor sie in ihren Social-Media Filterblasen aufgehen. Dazu braucht es Engagement vonseiten der Schulen.

Parallel dazu ist es wichtig, die „ich will nichts bezahlen“ Kultur in Frage zu stellen. Sinnvolle Paidcontent-Konzepte müssen weiter ausgebaut (und in der Nutzung erleichtert) werden, um zu verhindern, dass in den Redaktionen Praktikanten nur noch abschreiben ohne Wahrung der journalistischen Sorgfaltspflichten. Um auch zu verhindern, dass die Masse der Leser in sozialen Medien (die Lautesten!) bestimmt, welche Informationen „gehen“. Journalismus darf auch nicht in Formaten enden, die sie von großen Plattformen (Facebook,Twitter, etc) abhängig machen, sondern sollte seine redaktionelle Autonomie behalten. Genauso wichtig ist, dass Schülerinnen und Schülern (und nicht nur diesen!) die Fallstricke der Kostenlos-Kultur aufgezeigt werden. Unabhängiger Journalismus kostet. Auch wer im Netz kostenfrei unterwegs ist, bezahlt, nämlich mit dem Ausverkauf seiner Daten. Auf einer allgemeinen Ebene wird durch die Kostenlos-Kultur der Verbreitung eines Journalismus Vorschub geleistet, der sich aus wirtschaftlichen Gründen den digitalen Formaten und deren Informationsphilosophie anbiedert, ohne genügend kritische Distanz zu wahren. Innovative Formate können den Journalismus durchaus bereichern. Den auf gründlicher Recherche basierenden Journalismus „alter Schule“ aber brauchen wir, um eine Kultur der Sachlichkeit in der digitalen Gesellschaft zu etablieren. Diese Kultur ist das beste Mittel gegen Fake-News.

1) http://www.watson.ch/Digital/Schweiz/621706422-Wie-du-Fake-News-erkennst...