Politik

SuMa-eV Newsletter 1-10

Den einen oder anderen Newsletter werden wir auch hier im Blog veröffentlichen; mit dem ersten des Jahres 2010 mache ich den Anfang. Den Newsletter abonnieren kann man unter http://suma-ev.de/newsletterabo.html

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des SuMa-eV,

zum Beginn eines neuen Jahres hat es sich bewährt, über den Tellerrand der Tagespolitik hinaus nach vorn und hinten und um sich herum zu schauen. Dazu muss weder Wildbad Kreuth noch das Dreikönigstreffen Vorbild sein, aber die Absicht ist dort sicherlich ähnlich. Die Blickrichtung unseres "Vereins für freien Wissenszugang" sollte umfassen, was mit der Wissens- und Informationsgesellschaft zu tun hat. Wie also hat sich diese Gesellschaft entwickelt, wohin tendiert sie?

Die IT-Gesellschaft 2009

Über die Entwicklung im vergangenen Jahr gibt eine eindrucksvolle Statistik der Firma Comscore [1], ausgewertet von FAZ.NET [2]. Der FAZ-Artikel ist überschrieben: "Internet-Weltrangliste: Google baut seinen Vorsprung aus" - die Webseiten von Google sind die weltweit am häufigsten angeklickten, gefolgt von Microsoft, Yahoo, Facebook und Wikimedia. So weit, so nicht gut, aber so ist es.

Suchmaschinen & Daten, Daten, Daten ... Die Weg- und "Webweiser" im Internet: woher sie kommen und wohin sie gehen (können).

Vortrag von Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, Sonntag, 10. Mai 2009, beim FoeBuD e.V. im Bunker Ulmenwall in Bielefeld (Kreuzstraße 0, 33602 Bielefeld)

Der aktuelle Stand der Suchmaschinen-Technologie wird plausibel vor dem Hintergrund seiner Entwicklungsgeschichte und der des Internet. Die momentane Lage, die gekennzeichnet ist durch das Googlesche Quasimonopol, ist nur folgerichtiges Produkt dieser Entwicklung.

Der Übergang zwischen Suchmaschine und allgemeiner Internet-Platform, früher meist Portal genannt, ist fließend. Auch Google ist längst viel mehr als Suchmaschine. Ein Großteil des Zukunftskapitals liegt möglicherweise gar nicht mehr in der Suchfunktionalität, sondern in der Nutzung der Schwarmintelligenz [1] durch hohen Nutzerzahlen. Ein erstes Beispiel dafür ist Google-Flu [2].

Neue Forschungsförderung

In einer vorigen Diskussion hier im SuMa-eV Blog (http://blog.suma-ev.de/ Thema: "98%", http://blog.suma-ev.de/node/89), entstand die Frage, wie eine bessere, neue Forschungsförderung konkret aussehen müsste. Im folgenden ein paar Gedanken dazu - weitere Diskussion ist mehr als willkommen.

Politik zeigt keine Sensibilität für Suchmaschinen-Quasimonopol

"Suchmaschinen sind die zentralen Instrumente der Informationsgesellschaft und damit wesentlicher Bestandteil der IT- und Medien-Politik", so ein Leitgedanke des diesjährigen 5. Suchmaschinen Kongresses in Berlin. Highlights der Veranstaltung am 25.9.08 waren neben den gewohnt qualifizierten und vielfältigen Fachvorträgen die erstmalige Verleihung der Suma Awards 2008 durch den MP3-Erfinder Professor Karlheinz Brandenburg und die Podiumsdiskussion der medienpolitischen Sprecher/innen aller Fraktionen des Deutschen Bundestages zu ihren IT-politischen Zielen.

Thema der Podiums- und Plenumsdiskussion war "die Zukunft der digitalen Informationsgewinnung in Deutschland". Hierzu waren die medienpolitischen Sprecher/innen Dorothee Bär für die "CDU/CSU", Heiko Hilker i.V. von Prof. Dr. Lothar Bisky für "DIE LINKE", Malte Spitz i.V. von Grietje Staffelt (geb. Bettin) für "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN", Jörg Tauss für die "SPD" und Christoph Waitz für die "FDP" auf dem Podium vertreten. Die Parteienvertreter stimmten darin überein, dass Suchmaschinen eine zentrale Funktion im Internet haben. Im Hinblick auf die quasimonopolistische Struktur des Suchmaschinemarktes wird von politischer Seite jedoch kein Handlungsbedarf gesehen, auch nicht in Anbetracht von 90% Marktanteil eines einzigen Anbieters.
Während die Regierungsparteien auch generell zum Thema Suchmaschinen wenig Handlungsbedarf sehen, betonte insbesondere der Vertreter der Partei "DIE LINKE" die Notwendigkeit eines transparenten Schutzes von Nutzerdaten. Aus dem Publikum wurde u.a. mehrfach gefordert, die Haftungsfrage von Suchmaschinen-Betreibern endlich gesetzgeberisch zu regeln.

Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen SuMa-eV Kongresses in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin war die Preisverleihung der erstmals ausgelobten SuMa Awards 2008. Die Jury hatte sich bewusst nicht für einen einzelnen Preisträger oder ein bestimmtest Fachgebiet entschieden, sondern parallel zu den gesellschaftlich vielschichtigen Wirkungen von Suchmaschinen die Preise auf drei Bereiche verteilt: Suchmaschinentechnik (www.opportuno.de), Medienkunst (www.oamos.de) und Musik. In seiner ausführlich auf die Preise eingehenden Laudatio brachte Prof. Karlheinz Brandenburg diese Vielschichtigkeit deutlich zum Ausdruck. Der Live-Auftritt der Musiker mit dem "Lied vom Datenkraken" ist im Internet zu sehen und zu hören unter http://vimeo.com/1817137

Der Geschäftsführer des SuMa-eV, Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, kündigte an, die SuMa Awards auch 2009 in ähnlicher Weise fortzuführen, denn die Awards sind wichtiger Bestandteil einer fortgeschrittenen Auseinandersetzung mit den fundamentalen Problemen der Informationsgesellschaft. Die detaillierten Ausschreibungsbedingungen mit den Daten für 2009 werden in Kürze unter http://suma-awards.de erscheinen; die Inhalte der Fachvorträge werden ebenfalls demnächst über die Webseite des Kongresses abrufbar sein: http://suma-ev.de/forum08.

Wolfgang Sander-Beuermann

Suchmaschinen, Politik und YaCy

(Der komplette zugehörige Artikel zu YaCy: in iX2/08, S.102-105)

Wer heute Informationen sucht, benutzt eine Suchmaschine. Die wiederum wählt aus, welche Informationen aus der unendlich erscheinenden Vielfalt sie anzeigt und "entscheidet" so darüber, was der Fragestellende findet (=weiß).

Noch sind die Nutzer von Suchmaschinen nicht auf Gedeih und Verderb den Big Search Brothers dieser Welt ausgeliefert (Google et al.), weil der Nutzer noch zwischen verschiedenen Suchmaschinen auswählen kann. Aber es gibt davon immer weniger. Deswegen sind Initiativen wie Yacy wichtig. Denn nur wenn man Informationen von verschiedenen Anbietern mit unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen einholen kann, besteht die Chance, dass eine einigermaßen objektive Sicht der Dinge zustande kommt.

Bankrotterklärung

Die Universität zu Köln hat kürzlich die Funktion ihrer zentralen Suche bei Google eingekauft (http://www.uni-koeln.de/suche/). Wahrscheinlich werden weitere Universitäten diesem "Vorbild" folgen. Dies ist mit wenigstens ca. 30.000,-EUR noch ein realtiv teures Vorbild. Wenn viele deutsche Universitäten diesem folgen, geht es schon um etliche Millionenbeträge, und der Steuerzahler wird berechtigt fragen, warum deutsche Universitäten nicht mehr in der Lage sind, diesen Service selbst zu leisten.

Als nächstes werden auch deutsche Universitäten vielleicht, wie manche amerikanischen "Vorbilder" es bereits tun (http://www.heise.de/newsticker/meldung/91071), ihre E-Mail Dienste an GMX, Hotmail und Google-Mail outsourcen. Das hat, im Gegensatz zu obigem, obendrein sogar den Vorteil, billiger als alles andere zu sein - warum also nicht outsourcen, genauso wie die Hardware, Software und das Know-How über Internet-Recherche.

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