Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des SuMa-eV,
zum Beginn eines neuen Jahres hat es sich bewährt, über den Tellerrand der Tagespolitik hinaus nach vorn und hinten und um sich herum zu schauen. Dazu muss weder Wildbad Kreuth noch das Dreikönigstreffen Vorbild sein, aber die Absicht ist dort sicherlich ähnlich. Die Blickrichtung unseres "Vereins für freien Wissenszugang" sollte umfassen, was mit der Wissens- und Informationsgesellschaft zu tun hat. Wie also hat sich diese Gesellschaft entwickelt, wohin tendiert sie?
Die IT-Gesellschaft 2009
Über die Entwicklung im vergangenen Jahr gibt eine eindrucksvolle Statistik der Firma Comscore [1], ausgewertet von FAZ.NET [2]. Der FAZ-Artikel ist überschrieben: "Internet-Weltrangliste: Google baut seinen Vorsprung aus" - die Webseiten von Google sind die weltweit am häufigsten angeklickten, gefolgt von Microsoft, Yahoo, Facebook und Wikimedia. So weit, so nicht gut, aber so ist es.
Der aktuelle Stand der Suchmaschinen-Technologie wird plausibel vor dem Hintergrund seiner Entwicklungsgeschichte und der des Internet. Die momentane Lage, die gekennzeichnet ist durch das Googlesche Quasimonopol, ist nur folgerichtiges Produkt dieser Entwicklung.
Der Übergang zwischen Suchmaschine und allgemeiner Internet-Platform, früher meist Portal genannt, ist fließend. Auch Google ist längst viel mehr als Suchmaschine. Ein Großteil des Zukunftskapitals liegt möglicherweise gar nicht mehr in der Suchfunktionalität, sondern in der Nutzung der Schwarmintelligenz [1] durch hohen Nutzerzahlen. Ein erstes Beispiel dafür ist Google-Flu [2].
In einer vorigen Diskussion hier im SuMa-eV Blog (http://blog.suma-ev.de/ Thema: "98%", http://blog.suma-ev.de/node/89), entstand die Frage, wie eine bessere, neue Forschungsförderung konkret aussehen müsste. Im folgenden ein paar Gedanken dazu - weitere Diskussion ist mehr als willkommen.
(Der komplette zugehörige Artikel zu YaCy: in iX2/08, S.102-105)
Wer heute Informationen sucht, benutzt eine Suchmaschine. Die wiederum wählt aus, welche Informationen aus der unendlich erscheinenden Vielfalt sie anzeigt und "entscheidet" so darüber, was der Fragestellende findet (=weiß).
Noch sind die Nutzer von Suchmaschinen nicht auf Gedeih und Verderb den Big Search Brothers dieser Welt ausgeliefert (Google et al.), weil der Nutzer noch zwischen verschiedenen Suchmaschinen auswählen kann. Aber es gibt davon immer weniger. Deswegen sind Initiativen wie Yacy wichtig. Denn nur wenn man Informationen von verschiedenen Anbietern mit unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen einholen kann, besteht die Chance, dass eine einigermaßen objektive Sicht der Dinge zustande kommt.
Die Universität zu Köln hat kürzlich die Funktion ihrer zentralen Suche bei Google eingekauft (http://www.uni-koeln.de/suche/). Wahrscheinlich werden weitere Universitäten diesem "Vorbild" folgen. Dies ist mit wenigstens ca. 30.000,-EUR noch ein realtiv teures Vorbild. Wenn viele deutsche Universitäten diesem folgen, geht es schon um etliche Millionenbeträge, und der Steuerzahler wird berechtigt fragen, warum deutsche Universitäten nicht mehr in der Lage sind, diesen Service selbst zu leisten.
Als nächstes werden auch deutsche Universitäten vielleicht, wie manche amerikanischen "Vorbilder" es bereits tun (http://www.heise.de/newsticker/meldung/91071), ihre E-Mail Dienste an GMX, Hotmail und Google-Mail outsourcen. Das hat, im Gegensatz zu obigem, obendrein sogar den Vorteil, billiger als alles andere zu sein - warum also nicht outsourcen, genauso wie die Hardware, Software und das Know-How über Internet-Recherche.
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