Monopol

Die grenzenlose Google-Gläubigkeit

Derzeit läuft eine Kartellklage gegen Google - die Blogs, Nachrichtenticker und Medienberichte sind voll davon. Aber selten habe ich so viel schwadronierendes Gefasel zu einem offenbar emotionsbeladenem Thema gelesen. Da wird allerorten die arme Firma mit dem hübschen bunten Logo bemitleidet, wie die bösen Kartellwächter sie nun angeblich attackieren. Dabei ist von den eigentlichen Vorwürfen noch überhaupt nichts bekannt - trotzdem werden sie vehement von allen Seiten zurückgewiesen.

Wie gesagt: die Vorwürfe in der Kartellklage sind im einzelnen nicht öffentlich bekannt, also können wir dazu gar nichts sagen. Bekannt sind lediglich recht allgemeine Formulierungen: Google manipuliere die Suchergebnis-Reihenfolge. Machen wir uns nun die Mühe, selber nach Fakten zu suchen.

Zum Vorwurf: Manipulation der Suchergebnisse. Dazu geben wir bei google.de das Wort >europa< ein. Wir erhalten zunächst stimmig Erscheinendes, dann jedoch einen Ausgabeblock mit der Überschrift "Ergebnisse anzeigen für: europa versicherung" und dann einige Ergebnisse, welche die "Europa-Versicherung" darstellen. Nanu, das sieht doch aus wie ein typischer Werbeblock, abgesetzt durch waagerechte Linien. Dieser Block ist jedoch nicht als Werbung gekennzeichnet. Das erscheint mir schon seltsam. Ähnliches funktioniert auch zu anderen Abfragewörtern.

SuMa-eV Newsletter 1-10

Den einen oder anderen Newsletter werden wir auch hier im Blog veröffentlichen; mit dem ersten des Jahres 2010 mache ich den Anfang. Den Newsletter abonnieren kann man unter http://suma-ev.de/newsletterabo.html

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des SuMa-eV,

zum Beginn eines neuen Jahres hat es sich bewährt, über den Tellerrand der Tagespolitik hinaus nach vorn und hinten und um sich herum zu schauen. Dazu muss weder Wildbad Kreuth noch das Dreikönigstreffen Vorbild sein, aber die Absicht ist dort sicherlich ähnlich. Die Blickrichtung unseres "Vereins für freien Wissenszugang" sollte umfassen, was mit der Wissens- und Informationsgesellschaft zu tun hat. Wie also hat sich diese Gesellschaft entwickelt, wohin tendiert sie?

Die IT-Gesellschaft 2009

Über die Entwicklung im vergangenen Jahr gibt eine eindrucksvolle Statistik der Firma Comscore [1], ausgewertet von FAZ.NET [2]. Der FAZ-Artikel ist überschrieben: "Internet-Weltrangliste: Google baut seinen Vorsprung aus" - die Webseiten von Google sind die weltweit am häufigsten angeklickten, gefolgt von Microsoft, Yahoo, Facebook und Wikimedia. So weit, so nicht gut, aber so ist es.

"Google gehört jetzt das Internet"

"Öffentlicher DNS-Server von Google", wie immer alles kostenlos - so die Meldungen vom 4.12.09 (siehe z.B.: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Oeffentlicher-DNS-Server-von-Goog...) Der Internet-Nutzer kann sich freuen. Oder etwa nicht?

Wahrscheinlich ist den meisten, die diesen Dienst benutzen, nicht klar, welches gewaltige Machtinstrument dem Google-Konzern damit in die Hand gegeben wird: Damit erhält Google endlich alle Klicks des ahnungslosen Internet-Surfers zur Kenntnis. Bisher kannte die Firma "nur" das, was über ihre Suchmaschine lief; nun werden auch die Adressen erfasst, die der Nutzer direkt in den Browser eingibt - nichts bleibt mehr verborgen, das gesamte Nutzungsverhalten ist bei einer Firma kumuliert.

Monopol Telekom: Kartellverfahren wg. Dumpingpreisen - warum nur gegen Telekom??

Vor ein paar Tagen kam die Nachricht über die Ticker, dass ein Kartellverfahren gegen die Telekom eingeleitet ist (z.B. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/77/496393/text/). Der Vorwurf: Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung durch nicht kostendeckende Preise, womit die Konkurrenz ausgeschaltet wird.

Ist das nicht sehr ähnlich dem, was das Google-Monopol immer wieder macht?: Google bietet jede Menge nicht kostendeckende (da kostenlose) Dienste an (querfinanziert aus Suchmaschinen-Werbung), mit denen die Konkurrenz ausgeschaltet wird; jüngstes Beispiel ist das kostenlose Navi für Google Handys. Die Aktien des Navi-Herstellers TomTom fielen am Tag der Ankündigung von Google um 20%. Vor einigen Jahren mussten große Teile der Branche der Webstatistik-Auswerter ihr Geschäft schliessen, als Google den Webstatistik-Dienst "Analytics" kostenlos anbot usw.

Warum wird hier vom Kartellrecht mit zweierlei Maß gemessen?? Ich hoffe, ein Jurist kann es mir erklären ...

Wolfgang Sander-Beuermann

Missbrauch der Quasi-Monopolstellung durch Google?

Zunächst mal: Achtung - der Titel hat am Schluß dieses Zeichen "?", ein Fragezeichen! Es ist keine Aussage. sondern eine Fragestellung an die Leser dieses Blogs. Diese Fragestellung ist durch Folgendes motiviert: Google bietet immer neue Dienste an, die es im Internet zwar bereits gibt - aber Google bietet sie im Unterschied zur Konkurrenz kostenlos an. Die Folge: die Konkurrenz auf dem jeweiligen Gebiet geht ein/pleite. Google kann das deswegen kostenlos anbieten, weil an anderer Stelle (bei der Suche mit Online-Werbung) genug Geld verdient wird (Querfinanzierung).

Erstes Beispiel für dieses Vorgehen war Google-Analytics. Nachdem Google dieses Programm zur statistischen Auswertung von Webservern kostenlos im Netz anbot, hatten all die Firmen, welche diesen Dienst kostenpflichtig anboten, keine Chance mehr. Zunächst freut man sich als Verbraucher oder Anwender natürlich, wenn es einen zuvor kostenpflichtigen Dienst nun kostenlos gibt. Aber wenn von diesen Diensten einer nach dem anderen von einer einzigen Firma übernommen wird? Jüngstes Beispiel: das gratis-Navi für das Google-Handy. Der Aktienkurs des Navi-Anbieters TomTom ging zur gleichen Zeit in den Keller, was kein zufälliges Zusammentreffen sein dürfte - und es fragt sich, ob TomTom überleben kann.

Google-Quake - Am Wendepunkt zwischen Gutenberg- und Google-Zeitalter, von Gerd Wilser

Das Projekt "Google Book Search" hat eine solche Größenordnung angenommen, dass es einem Erdbeben gleichkommt. Der Konzern digitalisiert seit Jahren das schriftliche Weltkulturerbe und stellt es auf abermillionen Seiten ins Netz. Die Folgen können noch in Generationen spürbar sein.

Das Projekt verschafft der Firma ein Monopol über das Wissen der Menschheit. Und verhilft Google zu einem Quantensprung vom reinen Internet Dienstleister zum Medien Konzern - prädestiniert, um zum größten Verlag und Online Buchhändler der Zukunft aufzusteigen.

Die Fragen überstürzen sich: Wie viel ist alles Wissen der Menschheit wert? Gehört es in die Hand eines börsennotierten Konzerns? Oder unter die Kontrolle der öffentlichen Hand? Und wer darf überhaupt darüber entscheiden, es auf einen Schlag zu verkaufen?

... weiter unter http://suma-ev.de/downloads/Google-gegen-Gutenberg-II.pdf

Suchmaschinen & Daten, Daten, Daten ... Die Weg- und "Webweiser" im Internet: woher sie kommen und wohin sie gehen (können).

Vortrag von Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, Sonntag, 10. Mai 2009, beim FoeBuD e.V. im Bunker Ulmenwall in Bielefeld (Kreuzstraße 0, 33602 Bielefeld)

Der aktuelle Stand der Suchmaschinen-Technologie wird plausibel vor dem Hintergrund seiner Entwicklungsgeschichte und der des Internet. Die momentane Lage, die gekennzeichnet ist durch das Googlesche Quasimonopol, ist nur folgerichtiges Produkt dieser Entwicklung.

Der Übergang zwischen Suchmaschine und allgemeiner Internet-Platform, früher meist Portal genannt, ist fließend. Auch Google ist längst viel mehr als Suchmaschine. Ein Großteil des Zukunftskapitals liegt möglicherweise gar nicht mehr in der Suchfunktionalität, sondern in der Nutzung der Schwarmintelligenz [1] durch hohen Nutzerzahlen. Ein erstes Beispiel dafür ist Google-Flu [2].

Kartellklage gegen Google

Schon lange war es zu erwarten, nun ist es soweit: in den USA wurde kürzlich die erste Kartellklage gegen Google wegen Mißbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung eingereicht.

Kläger ist die Firma TradeComet. Der Vorwurf: Google habe seine Werbepreise für die von TradeComet betriebene Suchmaschine SourceTool.com massiv und ungerechtfertigt um 10.000% erhöht, um sie als Konkurrenten auszuschalten.

Qellen:
http://www.it-times.de/news/nachricht/datum/2009/02/19/google-sourcetool...
http://uk.reuters.com/article/americasRegulatoryNes/idUKN1738748920090217
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/02/18/AR200902...

Man darf gespannt sein ...

Diskussion mit medienpolitischer Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär

Beim SuMa-Kongress 2008 waren die medienpolitischen Sprecher/innen aller Bundestagsfraktionen in der Podiumsdiskussion zum Thema "Die Zukunft der digitalen

Politik zeigt keine Sensibilität für Suchmaschinen-Quasimonopol

"Suchmaschinen sind die zentralen Instrumente der Informationsgesellschaft und damit wesentlicher Bestandteil der IT- und Medien-Politik", so ein Leitgedanke des diesjährigen 5. Suchmaschinen Kongresses in Berlin. Highlights der Veranstaltung am 25.9.08 waren neben den gewohnt qualifizierten und vielfältigen Fachvorträgen die erstmalige Verleihung der Suma Awards 2008 durch den MP3-Erfinder Professor Karlheinz Brandenburg und die Podiumsdiskussion der medienpolitischen Sprecher/innen aller Fraktionen des Deutschen Bundestages zu ihren IT-politischen Zielen.

Thema der Podiums- und Plenumsdiskussion war "die Zukunft der digitalen Informationsgewinnung in Deutschland". Hierzu waren die medienpolitischen Sprecher/innen Dorothee Bär für die "CDU/CSU", Heiko Hilker i.V. von Prof. Dr. Lothar Bisky für "DIE LINKE", Malte Spitz i.V. von Grietje Staffelt (geb. Bettin) für "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN", Jörg Tauss für die "SPD" und Christoph Waitz für die "FDP" auf dem Podium vertreten. Die Parteienvertreter stimmten darin überein, dass Suchmaschinen eine zentrale Funktion im Internet haben. Im Hinblick auf die quasimonopolistische Struktur des Suchmaschinemarktes wird von politischer Seite jedoch kein Handlungsbedarf gesehen, auch nicht in Anbetracht von 90% Marktanteil eines einzigen Anbieters.
Während die Regierungsparteien auch generell zum Thema Suchmaschinen wenig Handlungsbedarf sehen, betonte insbesondere der Vertreter der Partei "DIE LINKE" die Notwendigkeit eines transparenten Schutzes von Nutzerdaten. Aus dem Publikum wurde u.a. mehrfach gefordert, die Haftungsfrage von Suchmaschinen-Betreibern endlich gesetzgeberisch zu regeln.

Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen SuMa-eV Kongresses in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin war die Preisverleihung der erstmals ausgelobten SuMa Awards 2008. Die Jury hatte sich bewusst nicht für einen einzelnen Preisträger oder ein bestimmtest Fachgebiet entschieden, sondern parallel zu den gesellschaftlich vielschichtigen Wirkungen von Suchmaschinen die Preise auf drei Bereiche verteilt: Suchmaschinentechnik (www.opportuno.de), Medienkunst (www.oamos.de) und Musik. In seiner ausführlich auf die Preise eingehenden Laudatio brachte Prof. Karlheinz Brandenburg diese Vielschichtigkeit deutlich zum Ausdruck. Der Live-Auftritt der Musiker mit dem "Lied vom Datenkraken" ist im Internet zu sehen und zu hören unter http://vimeo.com/1817137

Der Geschäftsführer des SuMa-eV, Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, kündigte an, die SuMa Awards auch 2009 in ähnlicher Weise fortzuführen, denn die Awards sind wichtiger Bestandteil einer fortgeschrittenen Auseinandersetzung mit den fundamentalen Problemen der Informationsgesellschaft. Die detaillierten Ausschreibungsbedingungen mit den Daten für 2009 werden in Kürze unter http://suma-awards.de erscheinen; die Inhalte der Fachvorträge werden ebenfalls demnächst über die Webseite des Kongresses abrufbar sein: http://suma-ev.de/forum08.

Wolfgang Sander-Beuermann
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