SuMa-eV, Verein für freien Wissenszugang
Für den Leiter des Suchmaschinenlabors an der Leibniz-Universität in Hannover, Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, ist der Google- Kartendienst Street View „nur die Spitze des Eisbergs“. Seine Horrorvision: Globale Internetkonzerne wie Google übernehmen das Netz vollständig, und der Nutzer ist nur noch Konsument, „dem man möglichst das Geld aus der Tasche“ zieht.
Mit dem Kartendienst Street View hat Google jetzt auch die Politik gegen sich aufgebracht. Ist die Aufregung berechtigt?
Das Internet steht am Beginn einer neuen Epoche. Ging es bisher um schnellen, niedrigschwelligen Wissenszugang und einfache weltweite Vernetzungsmöglichkeiten, drängen kommerzielle und machtstrategische Interessen zunehmend in den Vordergrund. Freiheit und Offenheit weichen schrittweise Zensur und Kontrolle.
Unser Worst-Case-Szenario: Die Zivilgesellschaft wird diesen Eingriff ins Netz nicht verhindern können. Vor diesem Hintergrund möchten wir aus einer deutschen und europäischen Perspektive die strategische Diskussion um den Charakter des Internets der Gesellschaften eröffnen.
Was kommt nach dem Wilden Westen im Netz?
Die Zivilgesellschaft setzt auf Ansätze wie Open Source, Netzneutralität und Schwarmintelligenz.
Obiges Faktum ("allwissende Informationssysteme werden Realität werden") sagt noch nichts darüber aus, wie diese "Allwissenheit" strukturiert und organisiert ist, auf welcher physikalischen Basis sie realisiert wird und welchen Grad sie erreicht. Werden solche System den Turing-Test bestehen? Die Antwort ist offen. Nehmen wir aber einmal an, wofür es gute Gründe gibt, solche Systeme werden nach den Kriterien des Turing-Test als "intelligent" bezeichnet werden können.
Dann muß die nächste Frage doch folgerichtig lauten: kann es auch Systeme geben, welche die menschliche Intelligenz ÜBERTREFFEN?
Erstes Beispiel für dieses Vorgehen war Google-Analytics. Nachdem Google dieses Programm zur statistischen Auswertung von Webservern kostenlos im Netz anbot, hatten all die Firmen, welche diesen Dienst kostenpflichtig anboten, keine Chance mehr. Zunächst freut man sich als Verbraucher oder Anwender natürlich, wenn es einen zuvor kostenpflichtigen Dienst nun kostenlos gibt. Aber wenn von diesen Diensten einer nach dem anderen von einer einzigen Firma übernommen wird? Jüngstes Beispiel: das gratis-Navi für das Google-Handy. Der Aktienkurs des Navi-Anbieters TomTom ging zur gleichen Zeit in den Keller, was kein zufälliges Zusammentreffen sein dürfte - und es fragt sich, ob TomTom überleben kann.
Update: Die Monopol-Problematik wurde zwar kurz behandelt, aber SuMa-eV war leider weggeschnitten, www.metager.de kam vor. Die Sendung gibts auch als Podcast unter http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2009/1020/uebersicht_inter.... Texte und Links dazu unter: http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/Q_Internet.pdf
Update: hier der Link zum Download der gesamten Sendung
Wenn ich mich umschaue, welche Positionen andere zu diesem Thema haben, dann kann ich nur eine Gruppe erkennen, welche eine ganz glasklare Position hat: nämlich die Gruppe, die nichts verändern möchte, und alles Bisherige auch in der Zukunft fortsetzen möchte, die Digitalisierung und das Internet ignorierend, bzw. mit der Forderung, dass das Internet an das tradierte Recht angepasst werden müsse. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Position zukunftsfähig ist.
Um meine Gedanken zum Thema weiter zu sortieren, beginne ich mit einer Erfahrung aus meinem eigenen Leben. 1995 hatte ich ein Buch geschrieben mit dem Titel "Internet: Kurz und fündig".
Heute Nachmittag war es mal wieder soweit: Google lieferte für knapp eine Stunde Unfug: http://www.golem.de/0901/64971.html , aber keine Ergebnisse. Dieses Szenario - Totalausfall Google - will in der Monopol-Diskussion selten jemand glauben.
Ich selber hatte leider nicht das Vergnügen, diesen Unfug zu sehen (dazu benutze ich Google zu selten). Aber bei Golem kann man unter http://scr3.golem.de/?d=0901/Goolge-Malware&a=64971&s=2 nachsehen, was Google zum Suchwort >google< an Ergebnissen lieferte, nämlich das Statement "Diese Website kann Ihren Computer beschädigen":
Welch Selbsterkenntnis! ;-)
Am 9. und 10.10.2008 fand an der FU Berlin die zweite Fachtagung für Datenschutzbeauftragte an Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen statt. Ich selber habe dort am Nachmittag des 9.10. einen Vortrag gehalten, über Datensparsamkeit und Suchmaschinen: Kein Widerspruch!, der beschreibt, wie der Datenschutz bei MetaGer im Detail realisiert ist. Zum Abschluss des ersten Tages spielten dann Die Betakteten das Das Lied vom Datenkraken, was vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.
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