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Quaero-Forum in Maastricht

Am Wochenende fand an der Jan van Eyck Academie ein Seminar zum französischen Suchmaschinenprojekt Quaero statt. Zuletzt hatte sich aus der niederländischen Kunstakademie vor sieben Jahren Richard Rogers mit dem Band "Preferred Placement. Knowledge Politics on the Web" zum Thema Suchmaschinen zu Wort gemeldet. Jetzt war es die Künstlergruppe Metahaven, die den "public think tank" initiierte. Im Laufe des zwei Tage langen Forums wurden viele interessante und kritische Fragen zur Suchmaschinenproblematik erörtert. Quaero selbst kam dabei nur sporadisch vor, denn noch weiß niemand, was eigentlich hinter diesem Projekt steckt.

Leider war Thomson-Repräsentant Pieter van der Linden einer Einladung zum Forum nicht nachgekommen, so war man bei der Einschätzung der Quaero-Entwicklungen auf Spekulationen angewiesen. Ende 2006 wurde das deutsche Theseus-Projekt aufgrund "unterschiedlicher Auffassungen zur technologischen Ausrichtung und organisatorischen Gestaltung" abgespalten, seitdem gehen Deutschland und Frankreich in der staatlichen Förderung von Suchtechnologien verschiedene Wege. Vielleicht bringt ein Treffen, das am 10. Oktober in Genf stattfindet, mehr Licht in die Sache. Hier sollen nicht nur Quaero und Theseus, sondern auch norwegische (Information Access Disruptions), niederländische (MultimediaN), schweizerische (IM2) und spanische (Mundo AV) Suchmaschinen-Initiativen vorgestellt werden.

Aber auch ohne Quaero kamen in Maastricht interessante Dinge zur Sprache. Aus der Perspektive des value-conscious design präsentierte Michael Zimmer acht Forderungen an die Quaero-Entwickler:

 

  1. Quaero must be designed in such a way as to prevent any substantive response to a civil or criminal subpoena of user activity
  2. Quaero must be designed so IP addresses and cookies cannot be associated with particular users or accounts
  3. Query traffic must be encrypted to prevent ‘man in the middle’ monitoring
  4. Quaero must provide transparency in the data it collects about users, how it is used, who uses it, and how long it is retained
  5. Quaero must not engage in personalized or behaviorally-targeted advertising
  6. Quaero must take steps to remove or obscure personally-identifiable images (faces, license plates, etc) from its searchable index
  7. Quaero must provide individuals the ability to remove or obscure personally-identifiable data from its searchable index
  8. Quaero must provide users the ability to view, edit, and delete any search history data associated with their account

 

Neben dem Thema Datenschutz wurde besonders die Frage der Informationsmonopolisierung eingehender diskutiert. Als mögliche Alternativen kamen P2P-Ansätze wie Yacy und Minerva zur Sprache, die niederländische Open Search-Initiative war selbst anwesend, um ihr Projekt vorzustellen. Der kommerzielle P2P-Ansatz der deutschen Suchmaschine Faroo (noch in der Beta-Einladungsphase) wurde noch nicht eingehender diskutiert, allerdings wurde auf die noch nicht gelöste Spam-Problematik bei der Offenlegung von Ranking-Algorithmen hingewiesen.

Fazit: Die Entwicklung der staatlich geförderten europäischen Suchmaschinentechnologie wird dieses Seminar wohl kaum direkt beeinflusst haben. Für die kritische Auseinandersetzung mit Suchmaschinen hat es aber einen außerordentlich lebendigen Raum geschaffen, in dem sich Wissenschaftler und Künstler aus den verschiedensten Disziplinen produktiv austauschen konnten. Es bleibt abzuwarten, ob sich die hier auf sehr hoher Ebene geführte Debatte letztendlich auch in technischen und juristischen Zusammenhängen durchsetzen wird.

Kommentare

evtl. könntet Ihr mal SEMAGER genauer unter die Lupe nehmen. Semantische Suche soll ja auch mal bei Google das Schlagwort werden.

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