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Wie geht's weiter? Raus aus der ÜberwachungsKatastrophe!

Ein Ende der Überwachungskatastrophe wird nie mit einem einzigen Rundumschlag möglich sein. Dazu ist das Thema viel zu groß. Wenn es überhaupt eine Lösung gibt, dann wird sie sich entwickeln müssen – aus dem Diskurs, aus unendlich vielen „Mosaiksteinchen“, und vor allem aus der konkreten Programmierarbeit aller derjenigen, die ein Interesse daran haben. SUMA-EV als dem Gemeinwohl verpflichteter Verein und MetaGer haben dieses Interesse! Im Folgenden werde ich das am Beispiel konkretisieren; sowohl bezüglich der Staatshacker der NSA, aber genauso für die kommerziellen Datenhändler. Denn beides sind zwei Seiten der gleichen unrühmlichen „Medaille“.

Auch wenn momentan NSA & Co primär im Fokus stehen, beginne ich mit den kommerziellen Datenschürfern. Von dort aus schließt sich dann automatisch der Kreis zu generellen Abhör-Gegenmaßnahmen.

Symptomatisch beobachten wir derzeit Fragen folgender Art, die uns zu MetaGer häufig erreichen:

Ich weiß sicher, dass ich ein bestimmtes Mountainbike auf Ihrer Suchmaschine MetaGer ausfindig gemacht habe, und dass ich nicht gleichzeitig auf Google war. Als ich mir auf Youtube danach ein Musikstück angeschaut habe, wurde mir genau das exakte Mountbike als Film und mit Werbung vorgeschlagen, mehrmals. Wie kommen die auch mich?? Vielleicht fällt Ihnen dazu etwas ein. Ich dachte, durch Sie werden keine Anfragen gescannt.

Der Nutzer von MetaGer bekommt hier den Eindruck, als würde MetaGer seine Suchdaten an youtube weiterleiten – ein rufschädigender Eindruck für uns als Betreiber von MetaGer! Ahnen Sie als Leser, was hier an perfidem Datenkuhhandel von sich geht? Hier des Rätsels Lösung:

  1. Der Nutzer hat auf MetaGer ein Mountainbike gesucht. So weit – so gut.
  2. Danach hat er auf eine Ergebnisseite von MetaGer geklickt, auf dem Mountainbikes angeboten werden. Und hier wird es kritisch:
  3. Diese Ergebnisseite liegt nun völlig außerhalb der Kontrolle von MetaGer. Sie ist im Google-Werbenetzwerk eingebunden. Man erkennt es nur, wenn man ganz schnell auf die linke Seite unten im Browser, auf die Statuszeile, schaut: Wenn dort ganz kurz das Wort „google“ aufblitzt, dann weiß man, dass Google davon weiß. Die meisten Nutzer bemerken es nie. Aber damit wissen nun die Google-Server, dass der Nutzer ein Mountainbike sucht.
  4. Geht der Nutzer dann zu youtube, dann weiß auch youtube (da zu Google gehörig), dass dieser Nutzer sich für ein Mountainbike interessiert und bietet ihm einen Film und Werbung dazu an.

Ein "Teufelszeug" namens "Affiliate Marketing"

Dieses ganze nennt man "Affiliate Marketing". Obwohl MetaGer so etwas nicht macht, geraten auch wir durch den beschriebenen Mechanismus in Gefahr, fälschlich so interpretiert zu werden. Denn der normale Nutzer versteht hier nicht mehr, was vor sich gehr. Ob diese Vorgehensweise mit deutschem Datenschutzrecht überhaupt vereinbar ist, das ist meines Wissens noch nie untersucht worden. Die Zeit ist überreif dafür! Diesem "Teufelszeug" können Sie technisch entgehen, wenn Sie:

Einen anonymisierenden Proxy-Server benutzen. Daran arbeiten wir gerade; wenn alles gut geht, dann wird er im Verlauf des März 2014 bereits online gehen. Sie werden es daran sehen, dass dann neben dem eigentlichen Ergebnislink von MetaGer rechts daneben ein weiterer Link "anonym öffnen" erscheinen wird. Wenn Sie diesen dann anklicken, erhält auch die Ziel-Webseite nicht mehr Ihre Nutzerdaten, und kann sie nicht ans affiliate Netz weitergegeben.

Oder Sie nutzen einen TOR-hidden-Service (die sicherste Methode). Dieser Service wird nur von sehr wenigen Suchmaschinen angeboten. Mit MetaGer können ihn seit Dezember 2013 benutzen; es ist die sicherste Art, sich generell abhörfrei im Internet zu bewegen. Eine ausführliche Beschreibung des nicht ganz trivialem Handling finden Sie auf unserer Webseite "MetaGer als TOR-hidden-Service": http://metager.to/tor (Achtung: diese Adresse beginnt mit metager.TO – nicht: .de!).

Dieses ganz konkrete Beispiel soll das Prinzip zeigen, nachdem wir vorgehen müssen, um das Internet wieder von einem Überwachungsnetz zurückzuführen zu einem Informations- und Kommunikationsnetz. Denn was gegen „Affiliates“ und kommerzielle Überwacher hilft, das hilft genauso gegen NSA & Co. An einer solchen Detailarbeit geht kein Weg vorbei: Wir müssen hinabsteigen in die „Maschinenräume des Internet“ und dort jedes „Loch“ einzeln „zuschweißen“. Das wird ein mühsamer und langer Weg. Eine Voraussetzung, dass der gangbar wird, ist, dass viele Softwerker daran mitarbeiten.

Die Akzeptanz der Nutzer wird entscheiden, ob es ein lauschfreies Netz geben wird

Aber das reicht nicht. Wenn die große Masse der Nutzer in ihrer Blauäugigkeit weiterhin meint, „nichts zu verbergen zu haben“, wenn also solche neuen Dienste gar nicht angenommen werden, dann wird diese größte Herausforderung des Netzes seit seiner Entstehung vor ca. 30 Jahren nicht umsetzbar sein. Denn das einzig bisher funktionierende Geschäftsmodell im Internet ist die Werbung. Und die lebt nur davon, dass Nutzer sie sehen und anklicken. Wenn diese Klicks ausbleiben, dann fällt auch die Finanzierung aus. Wenn das geschehen sollte, wenn eine Finanzierung durch ausbleibende Nutzer nicht möglich ist, dann könnte man darüber nachdenken, ob es an der Zeit ist, „den Stecker zu ziehen“, und sich aus dem Überwachungsnetz verabschieden – soweit das dann noch möglich ist. Denn ein „Leben außerhalb Internet“ ist auch heute bereits kaum mehr vorstellbar. Daher auch die berühmte Frage: „Gibt es ein Leben außerhalb des Internet?“ ;-)

Wie auch immer: NOCH sind wir mit voller Kraft dabei, und wir werden alles daransetzen, diese seit der Entstehung des Buchdrucks sicherlich größte Erfindung der Menschheit, die von Geheimdiensten gestohlen wurde, wieder den Menschen zurückzugeben.

Wolfgang Sander-Beuermann

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