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Suchmaschinen, SUMA-EV, MetaGer, NSA - und wie es weiter geht

Seit dem 7. Juni ist im Internet alles anders. An diesem Tag wurden erste Berichte über die Totalüberwachung des Internet durch US-Geheimdienste veröffentlicht [1]. Eigentlich war das jedem, der es wissen wollte, seit 2001 klar, als in den USA der unsägliche „Patriot Act“ Recht und Gesetz wurde [2]. Aber bis dato wollte es kaum jemand wissen. Jeder Hinweis auf den „Patriot Act“ und die Konsequenzen für Internet-Nutzer wurden als wilde Verschwörungstheorien abgetan. Im Juni 2013 wurden diese Verschwörungstheorien in einem Ausmaß wahr, das sich zuvor kaum jemand vorstellen konnte.

(Veröffentlicht auch in der Zeitschrift "Password", No. 10/2013, Seite 4)

Das alles hat natürlich Folgen für die Suchmaschinen. Das Motto des Marktführer's „Don't be Evil“ war in der „Netzgemeinde der Gläubigen“ allgemein akzeptiertes Credo. Nun wurde jedoch klar, dass auch Marktführer US-Gesetze befolgen müssen. Unklar ist nach wie vor, inwieweit die großen Internet-Konzerne von sich aus in vorauseilendem Staatsgehorsam handelten.

Als Reaktion auf die nun veränderte öffentliche Wahrnehmung positionierten sich etliche Suchmaschinen mit der Selbstbeschreibung, dass Suchen bei ihnen sicher sei, weil die IP-Adressen der Nutzer nicht gespeichert würden. So ehrenwert und auch ehrlich gemeint diese Selbstbeschreibungen sein mögen - Fakt ist, das viele dieser Suchmaschinen zumindest einen Teil ihrer Server in den USA hosten. Das gilt auch für diejenigen, die von manchen Datenschützern immer noch als „besonders empfehlenswert“ gelobt und von der gläubig-naiven Presse als Empfehlung verbreitet werden. Denn diese Suchmaschinen unterliegen nach dem Patriot Act und US-Recht dem vollen Zugriff der dortigen Behörden. Sie können also gar keine geschützte Privatsphäre bieten (selbst dann nicht, wenn sie selber sich noch so sehr darum bemühen).

Der deutsche Datenschutz

In dieser Situation wurde aus den im internationalen Vergleich relativ strikten deutschen Datenschutzgesetzen [3], die bisher meist als Standort-Nachteil beschrieben wurden, über Nacht ein Standort-Vorteil: „In Deutschland sind Ihre Daten sicherer.“ Es gibt zwar nirgends auf dieser Welt eine 100%-ige Sicherheit gegen Datenkraken oder andere Übel, auch arbeiten Geheimdienste hierzulande ebenfalls oft am Rande oder auch schon außerhalb der Legalität. Der entscheidende Punkt ist aber: In Deutschland ist die Totalüberwachung illegal! Und wer es trotzdem tut, wird in irgend einer Form „Ärger“ bekommen (und sei es „nur“ politischen Ärger).

Wenn wir – als Betreiber der deutschen Suchmaschine MetaGer – von der beschriebenen Situation gar nichts erfahren hätten, so hätten wir es spätestens daran bemerkt, dass sich innerhalb kurzer Zeit die Anzahl der Suchanfragen verdoppelte. MetaGer ist nach diesem „GAU des Internet“ (GAU=größter-anzunehmender-Unfall) plötzlich hoch aktuell: Die Internet-Adressen der Nutzer werden bei MetaGer schon seit Jahren bereits anonymisiert, während die Suche noch läuft. Diese Adressen werden weder gespeichert, noch werden sie von MetaGer an die abgefragten Suchmaschinen weitergegeben. Auch die "Stiftung Datenschutz", gestiftet von der Bundesrepublik Deutschland, empfiehlt an erster Stelle MetaGer [4]. MetaGer betreibt keine Server außerhalb Deutschlands und unterliegt damit vollständig dem deutschen Datenschutz, der als der härteste der Welt gilt.

metager.net

Diese Situation hat uns bewogen, nun auch eine englische Version von MetaGer (metager.net) zu erarbeiten, die genau solch eine strikte Privatsphäre implementiert, wie metager.de es tut. Es ist uns dabei gelungen, den Suchraum von MetaGer dank internationaler Kooperationen in den englischen Sprachraum hinein wesentlich zu erweitern. MetaGer bietet damit nach unserem Wissen als einzige internationale und bekanntere Suchmaschine eine geschützte Privatsphäre.

Aber auch etliche kleinere und bis dato eher unbekanntere Suchmaschinen mit geschützter Privatsphäre profitieren von der neuen Situation, wie beispielsweise:

  • die semantische Suchmaschine SemaGER.de, welche ebenfalls eine Metasuche ist, die ihre Ergebnisse von yahoo bezieht,
  • die Peer-to-Peer-Suche yacy.net, die jede/r auf dem eigenen PC installieren kann, und
  • die originäre Suchmaschine acoon.de, die auf einem eigenen Index arbeitet.

Die Kernfrage: Wie geht es weiter?

Die spannende Frage lautet nun: Werden sich diese alternativen Suchmaschinen, von MetaGer bis acoon, im Suchmaschinengeschäft behaupten können? Werden sie sich weiterhin finanzieren können? Letzteres ist die Kernfrage.

Bei MetaGer haben wir derzeit folgende Situation: Wir haben eine solide Finanzierung aus SUMA-EV-Mitgliedsbeiträgen und Spenden, und dank Einnahmen aus sparsam(!) plazierten Text-Werbelinks (keine Bannerwerbung, keine Bilder, nichts Aufdringliches). Dazu kommt ein Anteil durch unbezahlte ehrenamtliche Arbeit. Auf dieser soliden Basis kann MetaGer so weitergeführt werden – jedoch wollen wir mehr. Wir wollen mehr Nutzer erreichen, unsere Reichweite vergrößern, wir wollen auch außerhalb Deutschlands präsent sein. Dabei wird für MetaGer entscheidend sein, ob die neue englische Version metager.net in der internationalen Suchmaschinenlandschaft angenommen wird. Vor dem Hintergrund des bei vielen Nutzern neu gewachsenen Bewusstseins für ihre Privatsphäre stehen unsere Chancen so gut wie nie.

Wir, das Meta-Team & SUMA-EV, glauben daran, die wachsenden Nutzerzahlen bestätigen uns.

Unser Motto: Andere reden nur – wir handeln!

Wolfgang Sander-Beuermann

[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-US-Regierung-zapft-Kunden...
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/USA_PATRIOT_Act
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Datenschutz
[4] http://stiftungdatenschutz.org/praxistipps/

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Kommentare

Denke, dass gerade diese alternativen Suchmaschinen einen wichtige Rolle einnehmen und dass auch SUMA-EV gute Arbeit leistet. Drücke euch die Daumen für die Zukunft.

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