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Internet-Monopole regulieren?

Der folgende Text ist ein SUMA-EV Newsletter. Sie könnnen SUMA-EV Newsletter bestellen unter http://www.suma-ev.de/kontakt/suma-ev-newsletter-bestellen.html

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder, Freunde und Interessenten des SUMA-EV,

auf die Frage nach Alternativen im Internet könnte jetzt Bewegung kommen. Der Vice-CIO der russischen Suchmaschine Yandex (Vladimir Ivanov) hat auf der Konferenz "Bloß im Internet. Alternativen?" an der Freien Universität Berlin Klartext gesprochen. In Sachen Privacy hat Yandex ein paar attraktive Ideen, wie der Schutz des Privaten besser gewährleistet wird. Der Kongress am 22./23.3.2012 wurde von der Datenschutzbeauftragten und dem ASTA der FU-Berlin zusammen mit dem SUMA-EV organisiert.

Besondere und unmittelbare Medien-Aufmerksamkeit ([1],[2]) fanden der Vortrag zu Yandex von Vladimir Ivanov, sowie mein eigener Beitrag Internet-Monopoly & was dagegen getan werden kann.

Suchmaschine Yandex

Yandex [3] hat bisher noch kein Büro in Deutschland; Vladimir Ivanov war daher aus Moskau angereist, um über die hierzulande noch weitgehend unbekannte russische Suchmaschine zu berichten. Yandex hat kürzlich eine türkische Version seiner Suchmaschine etabliert - wenn Yandex als dritter Global Player neben Google und Microsoft auf den Markt kommt, gibt das
Bewegung bei den Gatekeepern des Internets, den Suchmaschinen. Vladimir Ivanov zeigte dann an der heiklen Frage der Personensuche, dass die Kontrolle über personenbezogene Suchergebnisse sehr wohl bei der jeweiligen Person bleiben kann. Ein neuer, vielversprechender Ansatz, der sich offensichtlich auch rechnet.

Internet-Monopoly

Europa redet zwar viel über das Internet, schaut aber weitgehend in die Röhre. Um die faktische Monopolbildung zu stoppen, hilft nur noch Regulierung. Dazu habe ich in Berlin einige Vorschläge vorgestellt [4],[5]. Beispielsweise das "Verbot, marktdominante Suchmaschinen im Browser voreinzustellen" (siehe dazu [6]: "Der Browser entscheidet, womit man sucht"). So entschied es im Jahr 2007 die Europäische Kommission auch gegen Microsoft [7]. Im Anhang dieses Newsletters finden Sie eine kurze Zusammenstellung der Vorschläge. Bitte beachten Sie, dass dieses VORSCHLÄGE sind, aber noch keine Lösungen! Am wichtigsten erscheint es mir, dass wir endlich in diese Diskussion einsteigen: Wie setzen wir den Giganten und Datenkraken des Netzes Grenzen? Und welches sind diese Grenzen?

Der Stein des Weisen ist noch nicht gefunden, aber das Werfen von Nebelkerzen, sprich Allgemeinplätzen - wie es in all den netzpolitischen Diskussionszirkeln jeglicher Art meist üblich ist -, bringt nichts. Konkreter ist besser! Dazu suchen wir das Gespräch. Mit allen Beteiligten: Mit der Netzgemeinde, der Politik und natürlich mit den Netz-Giganten
selber.

Beste Grüße!
Wolfgang Sander-Beuermann
--
Dr. Wolfgang Sander-Beuermann Tel.: 01520-2883048 wsb@suma-ev.de
Geschäftsführer SuMa-eV www.suma-ev.de
Leiter Suchmaschinenlabor Leibniz Universität Hannover www.metager.de

Anhang: Vorschläge zur Regulierung von Internet-Quasimonopolen

1) Einrichtung einer Clearingstelle, die evtl. Machtmissbrauch vorab
prüft, ähnlich Internet-Ombudsmann in Österreich

2) Offenlegung der Geschäftsberichte und Geldflüsse (OpenData for
monopolies)

3) Prüfung der Steuergestaltung globaler Online-Oligopole
(Sarkozy-Kommission). Monopoltendenzen durch Steuer-Instrumente
gegensteuern (progressiver Steuertarif?).

4) Verbot, marktdominante Suchmaschinen in Portale oder Browser
voreingestellt einzubauen (SPIEGEL-Online)

5) Marktdom. Suchmasch. dürfen nur 60-70% der Suchanfragen beantworten,
Rest muss an Konkurrenz weitergereicht werden (sehr weitgehende
Forderung von SPIEGEL-Online)

6) Marktdom. Suchmasch. dürfen nicht in die Adresszeile von Browsern
integriert werden (Forderung von Hot-Map)

7) Marktdom. Suchmasch. dürfen Werbeplatz oberhalb der organischen
Suchergebnisse nicht für eigene Werbung nutzen (Forderung von Hot-
Map)

8) Marktdom. Suchmasch. müssen ihren Index über eine public-API für
wesentlich mehr als 1000 Abfragen pro Tag öffnen

Quellen:

[1] http://wissen.dradio.de/google-kampf-dem-suchmaschinen-goliath.36.de.htm...

[2] http://meedia.de/internet/ein-mann-sieht-google/2012/03/23.html

[3] http://yandex.com

[4] http://metager.de/monopoly/reguli5.html

[5] http://metager.de/monopoly/detail4.html

[6] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820707,00.html

[7] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-dem-microsoft-urteil-schnitts...

P.S.: Um SUMA-EV Newsletter abzubestellen, reicht eine kurze, formlose EMail
an info@suma-ev.de

Themen: 

Kommentare

Nr. 5 ist daneben – das sollte auf keinen Fall propagiert werden. Wenn man eine Suchmaschiene wählt zum Suchen, will man doch bei keiner anderen landen. 1. Weil man vielleicht weiß daß die gewählte bessere Ergebnisse oft liefert und 2. Weil man den Nutzer doch nicht einfach an eine andere Website mit anderer, vielleicht gar noch weniger gewollter, Datenschutzerklärung weiterleiten kann. Das sollte nicht einmal propagiert werden!

Nr. 5 halte ich auch für daneben. Ist von SPIEGEL-Online übernommen und sollte eher zeigen, was es "auch noch für schräge Forderungen" gibt ;-).

ich finde viele dieser Vorschläge sinnvoll, dass was getan werden muss ist wohl unumstritten

Wen es interessiert, was ich wirklich dazu gesagt habe (im Unterschied zu dem, was berichtet wird, was ich angeblich gesagt haben soll ;-), hier der Videomitschnitt:
- http://metager.de/monopoly/rede_720.wmv, Videomitschnitt, Original im WMV-Format (ca. 1 GByte)
- http://metager.de/monopoly/rede720.flv, Videomitschnitt konvertiert ins FLV-Format (ca. 100 MByte)
- http://www.youtube.com/watch?v=ySTap5o_B7k und via youtube.com

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