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Google+ ... und warum ich es nicht haben will

Seit ein paar Wochen gibt es einen neuen Hype im Internet. Endlich mal wieder. Der Hype heißt "Google+". Und er ist das "Facebook von Google". Nicht jeder darf herein, nur auf Einladung, es muss also was ganz besonderes sein. Die Zuwachsraten sind gigantisch, 20 Millionen neue Nutzer in nur 2 - oder waren es 4? - Wochen; die Google Aktie stieg um 10 Mrd. Dollar - oder waren es 20 Mrd.? - WOW! Alle Nerds wollen nur noch eines: endlich rein in G+, da spielt die Musik, da ist was los.

Ja, was ist denn da los? Facebook war ein ernsthafter Konkurrent gegen Google geworden. Facebook ist datenschutztechnisch betrachtet keinen Deut besser als Google, vielleicht sogar noch schlimmer. G+ ist technisch vielleicht sogar besser gemacht als Facebook. Und Google kann mit seiner bereits vorhandenen Kundschaft Millionen von G-gläubigen in kürzester Zeit in G+ reinziehen. Und hat einen ernsthaften Schlag gegen einen ernsthaften Konkurrenten gelandet.

Wenn der Schlag ein KO-Schlag gegen Facebook wird, dann wird auch dieser wesentliche Teil des Netzes endlich Google gehören; der Gigant ist wieder einen weiteren Schritt gigantischer geworden und er hat mal wieder gezeigt, wer das Sagen im Netz hat. Google kann dazu noch das tun, was Facebook nicht konnte: Facebook hat nur EIN Angebot im Netz - Google hat viele und kann all die dort schon vorhandenen Daten mit den neuen von G+ verknüpfen. Da es bei G+ keinen anonymen Zugang geben soll - und hierbei steht die konservative Politik voll hinter dem Herrscher der Netze -, ist der Kunde endlich "in voller Schönheit" im Nacktscanner drin.

Und das ganz Tolle daran: der G-Kunde in seiner naiven Gläubigkeit ist auch noch glücklich darüber in den Nacktscanner gehen zu dürfen - betreten nur auf Einladung! Ob die genannten Zahlen stimmen - X Millionen neue Kunden - das kann niemand von außen nachprüfen. Die Bekanntgabe dieser Zahlen nützt vor allem einem: dem Kurs der Google-Aktie. Apropos nachprüfen: kann irgend jemand bei Google überhaupt irgendwas nachprüfen??

Und hat noch irgend jemand eine Frage dazu "warum ich G+ nicht haben will"?

Wenn Sie ebenfalls G+ NICHT haben wollen, dann können Sie dies auch öffentlich kundtun: Sie können den kleinen Bannner am Beginn dieses Textes durch Klick mit der rechten Maustaste gern herunterladen und frei verwenden. Sie können auch gern einen neuen, schöneren, grafischeren Banner designen - ich plaziere ihn gern ebenfalls hier. Wenn Sie den Banner auf Ihrer Website plazieren, ist es nett, wenn Sie ihn verlinken mit: http://blog.suma-ev.de/content/google-und-warum-ich-es-nicht-haben-will. Hier im Blog sind auch Ihre Kommentare, Widersprüche (vielleicht sind Sie ja ein Fan von G+) und Meinungen willkommen.

Sie könnnen den Button auch für die reale Welt zum Anstecken kaufen (aus Metall, 1 Zoll / 25,4 mm Durchmesser); er kostet 1,-EUR (Selbstkostenpreis), plus 0,55 EUR Porto, bei Abnahme von 5 Stück erhalten Sie den 6-ten gratis. Schreiben Sie dazu einfach eine EMail an button@suma-ev.de und überweisen Sie den entsprechenden Betrag mit dem Stichwort "Gplus-Button" und Angabe Ihrer Lieferadresse auf das Konto des SuMa-eV: Konto-Nr.: 101 402 477, BLZ: 250 500 00 Nord/LB, Hannover

Beste Grüße!

Wolfgang Sander-Beuermann

Update: Umgehend sind ein paar weitere "Googleplus - nein danke!"-Banner eingetroffen; Sie finden sie unter: http://suma-lab.de/gplus.html. Dort sehen Sie auch ein Foto des Ansteck-Buttons.

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Kommentare

Das ist neu: zum ersten Mal geht eine Protestbewegung gegen Internet-Monopole aus dem Netz heraus und in die reale Welt: Buttons zum Anstecken ans Hemd, um die eigene Unzufriedenheit auch auf der Straße sichtbar zu machen.

Eines will ich dabei aber nochmal klarstellen: Das ist keine Protestbewegung gegen Google! Auch wenn das Otto-Normal-SchwarzWeiss-Denker nicht werden verstehen können. Die Firma Google verhält sich in dieser Angelegenheit so, wie sich globale Konzerne nun mal verhalten - oder vielleicht sogar verhalten müssen - einschließlich der Versuche, die Konkurrenz auszuschalten. Ob die Firma Google dabei in anderen Fällen bei Versuchen der Konkurrenzausschaltung ihre marktbeherrschende Stellung missbräuchlich ausgenutzt hat, ist Gegenstand des laufenden Kartellverfahrens bei der EU in Brüssel (was in dieser Debatte nicht zur Diskussion steht).

Die EMail, die mit der die Bestellung der ersten 10 Buttons eintraf, darf ich mit Erlaub des Absenders hier gern zur Kenntnis geben (Date: Tue, 02 Aug 2011 10:16:12):


Liebe Suma e.V.s,

hallo Herr Beuermann,

schicken Sie mir bitte 10 reale Sticker zu.

Danke für die Initiative! Ich sitze nur noch fassungslos vor dem
Bildschirm und gucke mir den Wahnsinn an. Das ist die genialste
Machtübernahmestrategie für große Teile der Weltwirtschaft, die es
jemals gab - und das ohne Krieg. Und alle machen f r e i w i l l i g
mit. Die Marktwirtschaft wird es schon richten...

Hat Information etwas mit Ökonomie zu tun?

Hat Information etwas mit Macht zu tun?

Meine Diskussionen mit Wirtschaftswissenschaftlern enden immer gleich:
Sie gucken mich an, als sei ich im vorletzten Jahrhundert beim
Territorialanspruch der Kaiser und Könige stehengeblieben. Dabei bin
ich im Herzen Kommunistin. Ich hätte absolut nichts gegen eine total
freie Welt und Herrschaft des Volkes. Leider ist Google ein einzelnes
Privatunternehmen... Aber die sind ja Gutmenschen, nicht wahr?

Aber im Ernst: Mit welcher Motivation auch immer Google versucht, das
Monopol für die Informationslogistik der Welt und für die Steuerung des
Ressourcenzugriffs zu übernehmen - es kann und darf einfach nicht sein,
dass den Zugang zur Information im Internet / World Wide Web in der
Hand eines einzelnen privaten Unternehmens liegt. Das ist ein Aufgabe,
die alle Staaten gemeinsam regeln müssen; vergleichbar den Regelungen
der NATO.

Viele Grüße

In der viel gelesenen der Mailingliste "Internet in Bibliotheken (inetbib@ub.uni-dortmund.de)" hat sich eine interessante Diskussion zum Thema entwickelt, in der mir "gräflicherseits"
(das Wort "gräflicherseits" ist nur für Insider dieser Mailingliste verständlich ;-)
beispielsweise vorgeworfen wurde:

"Ein reflexhaftes krudes Google-Bashing mit Schaum vor dem
Mund, wie man es von Ihnen gewohnt ist." (http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg45516.html)

Über dieses herrliches Statement habe ich herzlich laut gelacht: *LOL*, sagt man im Netz. Aber es ist schon interessant zu lesen, was andere Schreiber im Netz so über die eigene Person schreiben; irgendwo, so erinnere ich mich dunkel, wurde ich auch "Berufsprotestbürger" oder sowas genannt :-).

Andereriseits gab/gibt es auch sehr ernstzunehmendes Unverständnis; daher poste ich hier ebenfalls eine Erwiederung aus der Bibliotheks-Mailingliste, damit auch Leser dieses Blogs ein klareres Bild haben, worum es mir geht:

-------------------------------< Zitat: >---------------------------------

Date: Wed, 3 Aug 2011 09:15:46 +0200

From: Wolfgang Sander-Beuermann

To: Internet in Bibliotheken

Subject: Re: [InetBib] Google+ ... und warum ich es nicht haben will

Liebe Liste, lieber Herr Umstaetter!

> Die Gefahr, dass Googleplus-Gegner sich in dieser Ecke der ewigen
> Nein-Sager (die auch nicht besser sind als die ewigen Ja-Sager)
> wiederfinden ist doch zu gross, sobald sie ihre Kritik nicht
> nachvollziehbar begruenden koennen.

Meine "Kritik an Googleplus" bezieht sich in diesem Zusammenhang nicht
auf Eigenschaften oder Featues von Googleplus. Sondern es ist eine
strukturelle Kritik: es die Kritik daran, dass sich das Internet so
entwickeln konnte, dass Mega-Konzerne, die in diesem Fall zufaellig
Google heissen, diese bisher global unglaubliche Machtfuelle erreichen
konnten, und dass niemand sie daran gehindert hat.

Meine "Kritik an Googleplus" ist in diesem Zusammenhang auch keine
Kritik an der Firma Google Inc. Ich zitiere dazu kurz aus meinem Blog
(http://blog.suma-ev.de/content/google-und-warum-ich-es-nicht-haben-will#...):

"Die Firma Google verhaelt sich in dieser Angelegenheit so, wie sich
globale Konzerne nun mal verhalten - oder vielleicht sogar verhalten
muessen - einschliesslich der Versuche, die Konkurrenz auszuschalten. Ob
die Firma Google dabei in anderen Faellen bei Versuchen der
Konkurrenzausschaltung ihre marktbeherrschende Stellung missbraeuchlich
ausgenutzt hat, ist Gegenstand des laufenden Kartellverfahrens bei der
EU in Bruessel (was in dieser Debatte [um Googleplus] nicht zur
Diskussion steht)."

Warum dann ueberhaupt die Aktion "Googleplus - nein danke!" koennte man
fragen. Wie geschrieben: meine Kritik ist strukturell. Ich habe kein
Patentrezept - und ich glaube, niemand hat es - wie die Strukturen, die
zu dieser Situation im Internet gefuehrt haben, veraendert werden
muessen, um zu einer Vielfalt im Netz zurueckzufinden. Sie, lieber
Herr Umstaetter, beschrieben es mal als "ein allgemeines Unbehagen"
an der Macht der globalen Online-Konzerne aus Uebersee. Das muessen wir
langfristig aendern; darum habe ich in der Internet-Enquete Kommission
der Diskussion angestossen "Massnahmen gegen die Vereinnahmung des
Internet durch globale Online-Konzerne"
(https://demokratie.enquetebeteiligung.de/proposal/534-Ma%C3%9Fnahmen_geg...).
Wie man auch dort nachlesen kann, hat dieses "allgemeine Unbehagen"
sogar eine deutliche und tragfaehige Mehrheit.

Was fuer die Zukunft ansteht, das ist der Einstieg in eine Diskussion,
welche konkreten Massnahmen nun gegen die allgegenwaertigen
Monopolisierungstendenzen im Internet entwickelt werden koennen. Solche
Massnahmen duerfen zum einen nicht die Innovationskraft von
Unternehmen wie Google ausbremsen, muessen trotzdem die Monopolisierung
einschraenken und Raum fuer Vielfalt schaffen.

Ich hoffe, ich habe meinen Standpunkt klarer machen koennen,
und verbleibe mit den besten Gruessen,

Wolfgang Sander-Beuermann



P.S.:
Die gesamte spannende Diskussion auf der Inetbib-Mailingliste finden Sie unter:
http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/thrd88.html#45502

Zitiert nach: GOLEM
http://www.golem.de/1107/85332.html
Datum: 28.7.2011, 19:19
Autor: Achim Sawall

"""HITWISE
Google+-Besucherzahlen gehen schon wieder zurück
Nach einer aktuellen Studie von Experian Hitwise sind die Visits bei Google+ in der vergangenen Woche wieder gefallen. Google hat die Angaben relativiert.

In den USA sind in der vergangenen Woche die Visits bei dem sozialen Netzwerk Google+ wieder zurückgegangen. Das geht aus Angaben der Marktforscher Experian Hitwise hervor, die am 27. Juli 2011 veröffentlicht wurden. Auch die Verweildauer bei Google+ wurde etwas kürzer.
.....
Google-Chef Larry Page sagte am 14. Juli 2011, er sei "sehr begeistert" von der bisherigen Resonanz auf Google+. Über zehn Millionen Menschen nutzten, trotz der Einschränkungen in der Testphase, bereits das Netzwerk. Über eine Milliarde Meldungen würden pro Tag über Google+ ausgetauscht. Laut einem Bericht soll der Aufbau des sozialen Netzwerks Google+ den Konzern 200 Millionen US-Dollar kosten.“""

thw...

Mit viel Interesse habe ich die Diskussion auf InetBib und hier verfolgt. Ich finde das Vertrauen, dass die Nutzer scheinbar immer noch in die großen Dienstanbieter - egal wo in der Welt - haben bewundernswert. Es gibt keine Unterscheidung zwischen virtueller und realer Welt mehr. Die Daten, die im Internet erhoben werden haben konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag.

Die Diskussion ist alt. Aber wir haben genug Beispiele im Kleinen, dass wir alle doch etwas zu verbergen haben. Wenn ich an anderer Stelle lese, ..

- dass man einen seltsamen Score von Schufa / Co. erhält, nach einem Algorithmus, den niemand nachvollziehen oder prüfen kann, der aber massive Folgen für einen hat,

- dass einige Adressen von großen Versandhändlern nicht mehr beliefert werden, weill dort zu viele Außenstände offen sind,

- dass Vermieter von ihren Mietern eine Selbstauskunft verlangen,

- dass Personalchefs ihre Bewerber von Dienstleistern standardisiert durchleuchten lasen,

dann frage ich mich: warum haben diese Menschen keine Angst vor den Datenkraken (egal ob Facebook, Google, Amazon, Apple, ...). Mir fallen genug Geschäftsmodelle ein, mit denen man viel Geld verdienen kann (die aber zum Glück vom Datenschutz unterbunden werden).

Und ja: es macht einen ganz konkreten Unterschied, ob ein Unternehmen in den USA, Europa, Deutschland, Tonga oder auf den Kaymans residert! Das hat nichts mit Anti-Amerikanismus zu tun. Die Frage ist: wer die Gesetze macht, die mich schützen und wie ich mich als Opfer ggf. wehren kann.

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