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Existenzgefährdung durch Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, SuMa-eV Newsletter 6-10

Tweet this Der folgende Blogeintrag stammt aus dem SuMa-eV Newsletter 6-10. Die Newsletter können abonniert werden unter der Adresse: http://suma-ev.de/newsletterabo.html

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des SuMa-eV,

bevor wir zum Hauptthema dieses Newsletters, der existentiellen Gefährdung von Suchmaschinen durch Neuformulierungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) kommen, vorab ein paar Worte zum:

Selbstverständnis des SuMa-eV

Unser Namenskürzel SuMa-eV weist auf den Ursprung hin: SuMa-eV wurde im Juli 2004 gegründet als "Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs". Da sich diesen langen Namen erstens niemand merken kann, und da zweitens der Wissenszugang nicht nur durch Suchmaschinen erfolgt, haben wir 2009 den Namen in "SuMa-eV - Verein für freien Wissenszugang" geändert. Wir haben kurz zusammengefasst zwei große Ziele:

1) Schaffung von Problembewusstsein und Informationskompetenz in Öffentlichkeit und Politik,

2) Aufbau, Betrieb und Förderung alternativer technischer Lösungen zum Wissenszugang.

Diese beiden, gleichwertigen Ziele spiegeln sich auch in der Mitgliederstruktur: etwa die Hälfte der derzeit 100 Mitglieder kommt aus dem Suchmaschinen-Umfeld - die andere Hälfte aus dem Bereich der "mitdenkenden Internetnutzer", für die Informations- und Datenmonopole nicht tolerabel sind.

Aktuelle SuMa-eV Termine

  • Call for Paper: "Aufruf zu einer strategischen Diskussion! Wie die deutsche und europäische Zivilgesellschaft bei der Weiterentwicklung des Internets interventionsfähig werden muss"
    http://suma-ev.de/forum2010
    bis 15.6.2010

  • Bewerbungen für die SuMa Awards 2010: http://suma-awards.de/ JEDE/R kann Vorschläge machen! Angabe einer URL reicht.
    bis 30.6.2010

  • Zum Vormerken: SuMa-eV Kongress 2010: http://suma-ev.de/forum2010/
    am 6.10.2010

SuMa-eV als Verband der alternativen Suchmaschinenbetreiber

Auf der technischen Seite des SuMa-eV stehen eine ganze Reihe kleinerer Suchmaschinen, die von Mitgliedern betrieben werden. Die folgende Auflistung zeigt eine Übersicht:

- benefind.de
- dandelon.com
- div. Spezialsuchen (Mathe, Physik)
- ecoshopper.de
- eerqi.eu/page/eerqi-searcher
- fastbot.de
- foto-suche.com
- gopubmed.org
- jobsearcher24.de
- kjur.de
- lokale suche auf hannover.de
- metager.de
- metager2.de
- metager.de/qubit.html (Quantenphysik)
- netluchs.de
- netzsuchen.de
- opencrawl.de
- opportuno.com
- premiumpresse.de
- romso.de
- semager.de
- suchclip.de
- witch.de
- yacy.net (mit weiteren ca. 50-100 Teilnehmern/Peers)

SuMa-eV versteht sich daher auch als Vertreter der Interessen der alternativen Suchmaschinenbetreiber.

Existenzgefährdung von Suchmaschinen durch JMStV

Gerade derzeit ist durch verschärfte Auflagen im Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) [1] die Existenz alternativer Suchmaschinen gefährdet. So fordert der aktuelle Entwurf vom 3.5.2010 in § 5 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 11 Abs. 1 JMStV-E: Wer Inhalte verbreitet oder zugänglich macht, die nicht für Kinder ab 12 geeignet sind, muss diese entsprechend kennzeichnen (oder Altersverifikation durchführen oder darf nur nachts "senden"). So etwas ist vielleicht für Suchmaschinen globaler Großkonzerne mit entsprechenden Mitarbeiterstäben realisierbar - für die letzte Konkurrenz und die Vielfalt der kleinen Suchmaschinenbetreiber wäre es das staatlich verordnete Aus.

Hier wird die Vielfalt im Internet durch ignorantes Nichtwissen in der Politik totreguliert. Das darf nicht geschehen!

[1] http://bit.ly/9ycnfY (PDF)

SuMa-eV wird alles unternehmen, um das staatlich verordnete Abschalten von Suchmaschinen durch den JMStV zu verhindern. Im letzten Abschnitt dieses Newsletters steigen wir diesmal daher etwas tiefer in die Suchmaschinen-Technologie ein:

Update 30.11.2010: Mittlerweile, nachdem klar ist, dass der JMStV nicht mehr aufzuhalten ist, nachdem auch die Landesregierung mit SPD und Grünen in NRW umgefallen ist, stellen die ersten Blogs ihren Dienst ein: http://heise.de/-1144566.html Zitat:"Auch der Berliner IT-Experte Kristian Köhntopp, hat mittlerweile bekanntgegeben, wegen der Auswirkungen von Regelungen im Jugendmedienschutzstaatsvertrag sein Blog zu schließen. 'Meine bisherigen Inhalte nehme ich morgen offline, und falls ich noch einmal irgendwas mache, dann für ein Land, das Zukunft hat. Nicht Deutschland.' "

Hadoop - Big Data für Jedermann

von Hannes Carl Meyer, www.informera.de

Dieser Artikel ist die Einleitung zu einer Serie, die in kurzen Abschnitten über neue, spezielle Themen und Entwicklungen der Suchmaschinen-Technologie berichtet. "Hadoop" ist der Name einer Software, die im Bereich Web-Crawling, Large-Scale-Analytics und NOSQL [1] massiv an Bedeutung gewonnen hat. Die Software wurde in den USA (wo sonst ;-) entwickelt; im Vordergrund dieser Textreihe stehen dabei aber Anwender, Entwickler und Firmen aus dem deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr 2010 - genauer genommen im Oktober - wird es in der Open Source und insbesondere der Information-Retrieval-Szene etwas zu feiern geben. Das beliebte und etablierte Information Retrieval Framework Apache Lucene wird 10 Jahre alt. Anfang 2000 begann Doug Cutting [2] als freier Softwareentwickler in San Francisco mit der Entwicklung und veröffentlichte im Oktober 2000 schließlich das 1.0 Release! In den nachfolgenden Jahren etablierte sich Lucene unter dem Dach der ASF [3] im Java-Bereich zum De-facto Standard bei der Volltextsuche. Damit nicht genug, legte Cutting zusammen mit Michael J. Cafarella [4] nach und stellte 2003 mit Nutch und einem 100 Millionen Seiten umfassenden Demonstrator eine komplette Whole-Web-Suchmaschine auf die Beine.

Geplagt von Skalierungsproblemen bei Nutch und inspiriert von Google Whitepapern zum Dateisystem GFS [5] und dem MapReduce Algorithmus [6] zum Verteilen von Rechenprozessen legten Cutting und ein kleiner Kreis von Entwicklern die Grundsteine für Hadoop. Im Jahr 2006 wurde das auf MapReduce und einem verteilten Dateisystem HDFS [7] basierende Framework Hadoop schließlich ausgegründet.

Heute wird Hadoop bei Firmen eingesetzt, deren Datenmengen den Terabyte-Bereich sprengen und im vertretbaren Zeitrahmen verarbeitet werden müssen. So nutzt es Facebook zur Analyse von Logdateien, Twitter zur Verarbeitung seiner Tweets, und Zvents (www.zvents.com) zur parallelen Klassifizierung gecrawlter Websites.

Doch wer sind hierzulande unsere Big Data Champions? In der Fortsetzung dieses Abschnittes geht es im nächsten Newsletter um den Einsatz von Hadoop zur Speicherung und Analyse von Produktdaten bei der Zanox AG in Berlin.

[1] http://t3n.de/news/visual-guide-nosql-systems-269025/"
[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Doug_Cutting
[3] http://www.apache.org/
[4] http://www.eecs.umich.edu/~michjc/
[5] http://labs.google.com/papers/gfs-sosp2003.pdf
[6] http://labs.google.com/papers/mapreduce-osdi04.pdf
[7] http://hadoop.apache.org/common/docs/current/hdfs_design.html#Introduction

Wolfgang Sander-Beuermann

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