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Die grenzenlose Google-Gläubigkeit

Derzeit läuft eine Kartellklage gegen Google - die Blogs, Nachrichtenticker und Medienberichte sind voll davon. Aber selten habe ich so viel schwadronierendes Gefasel zu einem offenbar emotionsbeladenem Thema gelesen. Da wird allerorten die arme Firma mit dem hübschen bunten Logo bemitleidet, wie die bösen Kartellwächter sie nun angeblich attackieren. Dabei ist von den eigentlichen Vorwürfen noch überhaupt nichts bekannt - trotzdem werden sie vehement von allen Seiten zurückgewiesen.

Wie gesagt: die Vorwürfe in der Kartellklage sind im einzelnen nicht öffentlich bekannt, also können wir dazu gar nichts sagen. Bekannt sind lediglich recht allgemeine Formulierungen: Google manipuliere die Suchergebnis-Reihenfolge. Machen wir uns nun die Mühe, selber nach Fakten zu suchen.

Zum Vorwurf: Manipulation der Suchergebnisse. Dazu geben wir bei google.de das Wort >europa< ein. Wir erhalten zunächst stimmig Erscheinendes, dann jedoch einen Ausgabeblock mit der Überschrift "Ergebnisse anzeigen für: europa versicherung" und dann einige Ergebnisse, welche die "Europa-Versicherung" darstellen. Nanu, das sieht doch aus wie ein typischer Werbeblock, abgesetzt durch waagerechte Linien. Dieser Block ist jedoch nicht als Werbung gekennzeichnet. Das erscheint mir schon seltsam. Ähnliches funktioniert auch zu anderen Abfragewörtern. Ob hier manipuliert und Werbung untergeschoben wird, vermag ich nicht in letzter Konsequenz zu entscheiden, aber merkwürdig sieht es schon aus, wenn ich nach "Europa" suche, und einen Ergebnisblock zur "Europa-Versicherung" angezeigt bekomme.

Dann noch ein paar Worte zum Thema "Google in China". Die Netzgemeinde jubelte, als Google sein Statement veröffentlichte, dass die Zensur in China nicht länger hingenommen werde, und auch ich fände es vorbildlich, wenn es so wäre. Schaut man nun aber zuerst bei google.com und dann bei google.cn nach kritischen Abfragen wie >tiananmen< (Platz des himmlischen Friedens, auf dem 1989 das chinesische Militär ein Massaker veranstaltete), dann sieht man, dass google.cn nach wie vor ganz andere Ergebnisse zeigt, als google.com.

Egal, die "Google-gläubige Gemeinde" jubelt weiterhin über die heldenhafte Verteidigung der Menschrechte in China ... und beklagt die Bösartigkeit einer kartellrechtlichen Prüfung ... aber wen interessieren schon Fakten ... nett formulierte Emotionen lesen sich angenehmer.

Wolfgang Sander-Beuermann

Update: Um Missverständnisse gering zu halten ergänze ich folgendes: ich werde immer wieder "Google-Kritiker" genannt. Das ist falsch: ich bin MONOPOL-Kritiker - wie immer das Monopol grad heissen mag.

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