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22 Thesen des SuMa-eV

Tweet this Für demokratischen Wissenszugang im Internet

  1. Täglich gründen wir unsere Entscheidungen auf Erfahrung und aktuell verfügbares Wissen.

  2. Sofern wir zusätzliches Wissen benötigen, informieren wir uns durch Zugriff auf Medien wie Zeitung, Buch und mehr und mehr auf das Internet.

  3. Das Internet bildet einen ständig wachsenden Teil des Weltwissens als amorphes Informationsuniversum ab.

  4. Zugang hierzu erhalten wir über Suchmaschinen, die uns auf eine Anfrage hin Ergebnisse in Form einer Liste von Verweisen auf geeignete Quellen geben.

  5. Informationsquellen im Internet sind jedoch von sehr unterschiedlicher Qualität.

  6. Es ist daher wichtig, zuverlässig Verweise auf sichere, stimmige Quellen zu erhalten.

  7. Die Reihenfolge und damit Bewertung dieser Verweise - das sogenannte "Ranking" - wird festgelegt durch die Algorithmen und Bewertungsmaßstäbe des Suchmaschinenbetreibers.

  8. Die Bewertungsmaßstäbe des Suchmaschinenbetreibers spiegeln immer seine speziellen Einschätzungen, Wertigkeiten und Interessenlagen wieder.

  9. Es ist daher wichtig, mehrere, unabhängig voneinander arbeitende Suchmaschinen einzusetzen, um einen möglichst neutralen und umfassenden Überblick geeigneter Quellen zu erhalten.

  10. Hieraus folgt zwingend, dass Suchdienste nicht in Form eines Monopols betrieben sein sollten, vielmehr sollte eine der Demokratie angemessene pluralistische Suchmaschinen-Infrastruktur zur Verfügung stehen, die per se kaum monopolisierbar ist.

  11. Anders als beim Zugriff auf Zeitung oder Buch, wird der Zugriff auf Quellen im Internet im Allgemeinen maschinell protokolliert, die Daten des Nutzers können gespeichert und nach und nach - ohne Wissen des Nutzers - in einem Profil kumuliert werden.

  12. Daher sollte ein Suchmaschinenbetreiber ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers kein umfassendes Nutzerprofil anlegen und keinesfalls in nicht-transparenter Weise verwenden dürfen.

  13. Die Suche nach Informationen im Internet wird durch zwei wesentliche und dominierende Dienste bestimmt:

    • Suchmaschine Google,

    • Netz-Enzyklopädie Wikipedia.

  14. Es besteht bei Quasi-Monopolen auf Dauer die Gefahr, dass die Ergebnisse der Informationssuche von Einflüssen nicht allgemein erkennbarer Mechanismen der Betreiber geleitet werden.

  15. So ist festzuhalten, dass durch Aufbau und Betrieb einer pluralistischen Suchmaschinen-Infrastruktur ein freier und demokratischer Zugang zum Wissen im Internet möglich und eine unerwünschte Kumulation sowie Missbrauch von Nutzerdaten vermieden werden kann.

  16. Dem Aufbau einer derartigen pluralistischen Suchmaschinen-Infrastruktur stehen jedoch folgende Hindernisse entgegen:

    • die aktuelle Marksituation für Wettbewerber (bestehende Quasi-Monopole),

    • geringe Kenntnis über o.g. Mechanismen und fehlendes Bewusstsein für mögliche Gefahren hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten (zum Beispiel Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung) bei den Nutzern.

  17. Daraus folgen allgemein eine naive Einstellung gegenüber der Problematik von Informationsmonopolen im Internet und geringes Interesse an neuen Wettbewerbern seitens der Nutzer.

  18. Die etablierten Quasi-Monopole verhindern darüberhinaus das Entstehen neuer Wettbewerber bereits durch bestehende Markmacht, wie beispielsweise durch:

    • Aufkauf potentieller Wettbewerber,

    • Aufkauf potentieller Mitarbeiter neuer Wettbewerber ("Know-How-Drain"),

    • Monopolisierung der wesentlichen Einnahmequelle (Online-Werbung),

    • Querfinanzierung zahlreicher kostenloser Dienste zwecks Kundenbindung.

  19. Die Regelmechanismen eines freien Marktes sind durch die vorhandene globale monopolähnliche Situation weitgehend außer Kraft gesetzt.

  20. Änderungen der o.g. Situation sind daher weniger durch neue Technologien, sondern vor allen Dingen durch verändertes Nutzerverhalten aufgrund steigender Informationskompetenz zu erwarten.

  21. Da Informationskompetenz in der Informationsgesellschaft eine Schlüsselfunktion einnimmt, ist deren Stärkung von vitalem Interesse, sowohl bzgl. der Monopolproblematik, als auch generell für die weitere Entwicklung der Informationsgesellschaft.

  22. Der Aufbau von Informationskompetenz darf sich jedoch nicht nur auf die breite Öffentlichkeit beziehen, in wesentlich vertiefter Form muss er Eingang in Ausbildung an Hochschulen finden, um den Nährboden dieser Kulturtechnik besser als bisher aufzubereiten.


Ziele und Aktionen:

  • Das Ende der Naivität:

    Aufklärung

  • Verstärkung der Kompetenz:

    Qualifizierung

  • Förderung von Wettbewerb:

    Aufbau und Betrieb einer pluralistischen Suchmaschinen-Struktur



Copyright SuMa-eV.

Diskussion, Zustimmung, Kritiken zu den Thesen hier im SuMa-Blog ...

Abstimmung in Kurzform: Zustimmung zu den 22 Thesen - Ablehnung der 22 Thesen

Themen: 

Kommentare

Wie kann man die Suchmaschinen-Situation analysieren ohne den Netzwerk-Effekt auch nur zu erwähnen? Wo ist der technische Fortschritt? Ich sehe hier lediglich eine inkonsistente Aufzählung von wenigen Zusammenhängen und einigen kaum durchdachten Forderungen. Obwohl - wenn ich Thesen 20 ff richtig interpretiere, verwächst sich das Problem eh durch den Fortschritt der Menschheit im Allgmeinen.

Wie wäre es, wenn Ihr in 20 Thesen die "der Demokratie angemessene pluralistische Suchmaschinen-Infrastruktur" beschreibt?

Diese Suchmaschinen-Infrastruktur ist in etlichen Vorträgen, Papieren und Projekten beschrieben, wie z.B.: http://opencrawl.de, http://yacy.net und http://metager.de/ulmenwall/ . Des weiteren ist sie Gegenstand aktueller Entwicklungen, die jeweils zum SuMa-eV Kongress vorgestellt und unter Experten diskutiert werden. Der diesjährige Kongress findet statt am 10.9.09 in Berlin, Sie finden das Programm unter http://suma-ev.de/forum09 - Sie sind herzlich eingeladen!

Means: die Hoffnung besteht dass aus drei Projekten ohne jeden messbaren Impact im Zuge der steigenden Informationskompetenz die Gegengewichte zu den Quasi-Monopolisten Google und Wikipedia werden?

Ohne jede Polemik: Wie gesagt, Sie sind eingeladen bei SuMa-eV Kongress am 10.9.09 über Einzelheiten der Umsetzung des Konzeptes und über vielerlei Bedenken zu diskutieren. Und noch einen weiteren Vorschlag: Sie sind offenbar ebenfalls Experte auf dem Gebiet der Suchmaschinen oder deren Umfeld - beteiligen Sie sich doch an den SuMa Awards: www.suma-awards.de

Besten Dank für die Einladung - sobald ich ein Konzept sehe, werde ich es mit großem Interesse lesen.

Ok, prima! Die technische Umsetzung ist aber gar nicht mal das primäre Problem, wir arbeiten seit mehr als 10 Jahren in der Suchmaschinentechnologie. Das Schwierigere ist es, Menschen davon zu überzeugen, dass wir für den Informationszugang mehr als ein paar Oligopole in der Welt brauchen.

wo ist eine vernünftige technische Umsetzung? Einfachheit, Geschwindigkeit, Relevanz

... siehe oben, die Antwort hiervor

Kleiner Test: "inverted index" (Herz der Suchmaschinen)
Opencrawl:"Es wurden leider keine Ergebnisse gefunden"
Yacy:Relevanz fast 0. (Yacy ist für mich sowieso ein Witz. Liefert kaum relevante Ergebnisse. Das Konzept P2P Suche ist (Mit heutiger Hardware) überflüssig.

Search Engine = Index size + Speed + GUI Simplicity + Relevance + Actuality + International/Universal + Self Algorithm Automation.
Hier sollte man starten und erst danach semantische Suche, Real Time,...
P.S: Captcha unlesbar.

Auch dieser Kommentar befasst sich mit einem anderen Thema, als dem, welches wir mit den Thesen ansprechen. Es geht (noch lange) nicht darum, eine technische Lösung zu beschreiben, die besser ist, als alles, was es bisher gibt.

Sondern es geht darum, bewusst zu machen, dass die bisherigen Strukturen des digitalen Wissenszugang den Anforderungen einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft nicht entsprechen. Solange (fast) jeder mit globalen Oligopolen glücklich ist, ist der Aufbau von etwas Neuem illusorisch.

"Google eyeballs planted on 92% of top websites"
'The most dominant player in the tracking market'

http://www.theregister.co.uk/2009/06/03/google_tracking_study/

Also ich fand die Diskussion in den Kommentaren sehr spannend. Insgesamt kann eine "Enmonoipolisierung" des Themas nur nützlich sein.

Besten Dank für die Einladung - sobald ich ein Konzept sehe, werde ich es mit großem Interesse lesen.

das hört sich alles sinnvoll & sehr notwendig an. Die große Hürde sehe ich allerdings bei 2 Faktoren: 1. die Trägheit des Users und 2. eine optimale "PingPong" Situation zwischen Google und diversen Software und Hardware Herstellern.
und dies in Kombination mit der Power, jeden fiffigen Entwickler sofort wegzuschnappen.

Eine Alternative scheinen mir daher auch die sozialen Netzwerke zu sein. Aber da muß man vorsichtig sein, ob massenhafte Empfehlungen wirklich die Qualität nach oben spülen, oder ob nicht der "kleinstmögliche Nenner" bzw. weiterhin die beste Marketing Strategie siegt.

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