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Leistungsschutzrecht

Das Wort "Leistungsschutzrecht" wird in der aktuellen politischen Diskussion immer als etwas Neues dargestellt. Tatsächlich gibt es dafür seit 1994(!) einen Internet-Standard, den "Robots-Exclusion-Standard" (http://de.wikipedia.org/wiki/Robots_Exclusion_Standard). Damit kann jeder seine "Leistung" (Texte, Bilder usw.) im Internet vor dem Zugriff von Suchmaschinen und anderen automatischen Programmen schützen. Jeder, der nicht möchte, dass seine Webseiten von Suchmaschinen erfasst werden, kann dies auf ganz einfache Weise mit der robots.txt-Datei steuern.

Die Frage kann also nur sein: Brauchen wir MEHR als diesen bestens etablierten Standard?

Ich sehe zwei Sichtweisen als Antwort auf diese Frage:

1) Dieser "Robots-Exclusion-Standard" ist bisher ein freiwilliger Standard. De facto halten sich zwar alle Suchmaschinen daran, aber es gibt bisher keine juristische Grundlage, dass sie dazu verpflichtet sind. Diese Grundlage könnte man schaffen; durch höchstinstanzliche Urteile, oder indem dieser Standard Gesetzeskraft erlangt.

2) Man KÖNNTE diesen Standard erweitern: man könnte weitere Kennzeichnungen für Webseiten definieren, deren Erfassung durch Suchmaschinen kostenpflichtig ist. Man kann diese Kosten staffeln, so dass der Crawler einer Suchmaschine entscheiden kann, bis zu welchem Preis er Webseiten erfassen will. Das alles wäre technisch einfach lösbar, ein Expertengremium müsste sich zusammensetzen und einen Vorschlag ausarbeiten - nennen wir ihn den "Extended-Robots-Exclusion-Standard for Paid Content".

Aber brauchen wir 1) und 2) wirklich? Solange sich alle an den aktuellen freiwilligen Standard halten? Ich sehe keinen Grund. Solange Selbstorganisation funktioniert, ist sie immer die bessere Art der Organisation.

Alles andere erscheint mir als der Versuch, durch Lobbyarbeit an unwissenden Politikern zu mehr Geld zu kommen. Aber die Zahl der "unwissenden Politiker" nimmt - zumindest bezüglich des Intenet - erfreulicherweise ab :-)

Wolfgang Sander-Beuermann

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