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Newsletter: SuMa-eV fordert TRANSPARENZ!

Der folgende Text ist ein Newsletter des SuMa-eV vom 10.5.2011. Sie können SuMa-eV Newsletter abonnieren unter http://www.suma-ev.de/kontakt/suma-ev-newsletter-bestellen.html

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder, Freunde und
Interessenten des SUMA-EV,

Transparenz, das ist ein Schlüsselwort für Politik und Wirtschaft und
ihre Verflechtungen - und für die verloren gegangene Glaubwürdigkeit.
Im Bereich von Politik und Wirtschaft widmet sich "LobbyControl -
Initiative für Transparenz und Demokratie e.V." diesem Thema in
hervorragender Weise (http://lobbycontrol.de).

Die "Filter Blase"

Dass wir diese Transparenz auch dort brauchen, wo wir meist "nur"
objektive erscheinende Technik vermuten, das hat der Amerikaner Eli
Pariser (http://en.wikipedia.org/wiki/Eli_Pariser) kürzlich zur
TED-Konferenz in Long Beach bei Los Angeles deutlich gemacht (TED =
Technology, Entertainment, Design). Sie können seinen beeindruckenden
Vortrag im besten Amerikanisch hören und sehen unter:


http://www.ted.com/talks/eli_pariser_beware_online_filter_bubbles.html

Eli Pariser hat zum gleichen Thema ein Buch veröffentlicht: "The Filter
Bubble". Er beschreibt, wie wir durch die Intransparenz der Algorithmen
von Google, Facebook usw. immer mehr zu Einzelwesen werden, die nur die
speziell für sie zugeschnittenen Informationshäppchen erhalten; alles
die eigene Weltsicht störende wird durch "Personalisierung" genannte
Programmierung weggefiltert. Der Wissenszugang erfolgt gleichsam in
einer "Blase" (Bubble), in die nur das ins eigene Weltbild passende
hineingelassen wird.

Ihre persönlichen Google-Klicks

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Ihre Suchergebnisse bei Google
danach ausgewählt werden, wie oft Sie welche Ergebnisse angeklickt
haben? Das geschieht auch dann, wenn Sie sich keinen persönlichen
Google-Account eingerichtet haben. Sie freuen sich vielleicht, dass bei
dem für Sie wichtigen Suchwort IHRE Homepage ganz vorn bei Google
erscheint, worauf Sie Google ganz besonders toll finden - aber dies
gilt wahrscheinlich leider nur für Sie selber. Weil Sie selber Ihre
Homepage häufig angeklickt haben! Ihr Nachbar kann völlig andere
Ergebnisse erhalten. Wie diese Klick- und Informationsbewertung
vonstatten geht, wie oft wer von wo mit welchem Browser wie klicken
muss, das ist Betriebsgeheimnis. Daneben spielen eine Fülle weiterer
Faktoren eine Rolle bei der Auswahl der für Sie angezeigten
Suchergebnisse; diese Faktoren sind allesamt geheim.

Und genau an dieser Stelle setzt die Forderung nach Transparenz in der
Technik an: Es kann nicht angehen, dass die Informationsauswahl
globaler marktbeherrschender Konzerne nach unsichtbaren Kriterien
erfolgt! Menschen tendieren von sich aus bereits zu einer selektiven
Wahrnehmung; wenn diese Selektion nun darüber hinaus noch technisch-
algorithmisch forciert wird, dann wird Eingleisigkeit des Denkens
zementiert, ohne dass wir es bemerken.

Sicherlich kann der IT-Experte einen Teil der unsichtbaren Kriterien
ausschalten - in dem er z.B. im oben beschrieben Beispiel die Cookies
löscht; aber der Normal-Nutzer wird diesen Vorgang nicht einmal
bemerken (haben Sie ihn bemerkt?), und er wird sich um keine Cookies
kümmern. Und auch dem IT-Guru bleibt der größte Teil der Faktoren zur
Informationsauswahl verborgen. Wozu Ihre persönlichen Google-Klicks
darüber hinaus noch verwertet werden, entzieht sich jeder Kenntnis.

TRANSPARENZ ist das Schlüsselwort für die Informationsgesellschaft

Darum fordert SuMa-eV TRANSPARENZ nicht nur in der Politik, sondern
ebenso in marktbeherrschenden Online-Konzernen, in deren Technik
der Informationsverarbeitung und Bewertung!

Wir haben diese Forderung in die Enquete-Kommission "Internet und
digitale Gesellschaft" des Deutschen Bundestages unter dem breiteren
Ansatz "Maßnahmen gegen die Vereinnahmung des Internet durch globale
Online-Konzerne" eingebracht. Transparenz ist eine der Maßnahmen gegen
Vereinnahmung. Unsere Forderung hat bereits eine breite Mehrheit
gefunden; nachzulesen unter der Adresse

https://demokratie.enquetebeteiligung.de/proposal/534-Ma%C3%9Fnahmen_gegen_die_Vereinnahmung_des_In


Dort werden wir demnächst auch über konkrete Handlungsvorschläge
diskutieren.

Wolfgang Sander-Beuermann

Update:
Wie ich durch eine Nachricht via Facebook erfahren habe, kann man die obige Forderung nach Transparenz offenbar auch missverstehen, daher im Folgenden eine kurze Klarstellung.

Natürlich fordere ich NICHT, dass der Google- oder irgend ein anderer Algorithmus offengelegt wird! Das wäre völlig absurd - und würde dazu führen, dass das Ranking von Webseiten massiv manipuliert und gefälscht wird.

Transparenz heisst nicht, dass gleich der komplette Algorithmus öffentlich wird. Wie Transparenz im Detail herzustellen ist, das muss diskutiert werden - auch mit Google. Eine Detailforderung des SuMa-eV ist dazu in in http://www.suma-ev.de/ziele/index.html beschrieben (Zitat): "Wenn sich daher Quasi-Monopole für den Wissenszugang etabliert haben, dann müssen die Maßstäbe der Wissensbewertung für solche Monpole transparent gemacht werden: demokratisch legitimierte
Kontrollgremien müssen sie überprüfen können."

D.h. der Algorithmus muss in Einzelfällen auf seine Objektivität von einem Kontrollgremium (aber nicht öffentlich!) nachprüfbar sein.

Weiterhin kann man verlangen, dass in Fällen, in denen eine marktbeherrschende Suchmaschine Webseiten "abstraft", der Betreiber davon informiert werden muss und sowas nicht im Geheimen passiert, wie es derzeit der Fall ist; siehe Wieder undurchsichtige Rausschmisse bei Google.

Weitere Detailmaßnahmen sind denk- und diskutierbar.

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